Herrenberger Herztöne - im Gespräch mit Walther Fischer

Shownotes

In dieser Folge besuche ich den Zeitzeugen Walther Fischer (*1927), der schon in den 80er Jahren Mitbegründer des AK Energie war und der 1. grüne SPD-Vorsitzende wurde.
Er empfängt mich mit diesen aufgeschriebenen Gedanken:
„Mit diesem Text fasse ich zusammen, was mir wichtig ist.
Mein Credo.
Was ich liebe, was ich hasse,
wenn ich es in Worte fasse,
bleib’ ich damit nicht allein,
kann es anderen weitergeben,
freundlich ins Bewusstsein heben,
fühl’ mich ein.
Als Philosoph in die Welt hineingeboren, hat jeder Mensch ein Weltbild. Die Schöpfungs-Geschichte der Bibel war vor dem Hintergrund des antiken Weltbilds ein genialer Entwurf. Aber heute wissen wir: Am Anfang war nicht „Himmel und Erde“ sondern der Urknall, der mysteriöse Einbruch einer unvorstellbar riesigen Menge Energie, die Raum und Zeit gebar.
Nun folgt ein Ausflug in die Astrophysik.Der macht Sinn, weil unsere Geschichte viel interessanter ist, als die biblische Schöpfungs-Geschichte. Der Astronom Hubble erkannte 1926, dass sich alle Sterne im All beschleunigt voneinander entfernen. Wenn man diese Expansion mit einer Gleichung beschreibt, die Zeit rückwärtslaufen lässt, schrumpft das All, vor 13,8 Mrd. Jahren auf einen Punkt. Damals geschah also der Urknall. Ein kleiner Teil der Energie verdichtete sich zu den drei leichtesten Atomen: hauptsächlich Wasserstoff, wenig Helium und Spuren von Lithium. Die Atomphysiker kennen Temperatur und Druck, die dazu nötig sind. Materie ist hoch verdichtete Energie. Die Gase zerstoben im All, sammelten sich dann durch ihre Schwerkraft an einzelnen Stellen, die durch ihre vermehrte Schwerkraft weitere Atome anzogen. Im Innern großer Mengen reichten Druck und Temperatur zur Fusion von zwei Wasserstoff-Atomen (H2) zu einem Helium Atom (He), das aber etwas leichter ist als die zwei H2, aus denen es entstand. Der „Massenschwund“ entweicht als Licht. Der Stern leuchtet, bis sein Wasserstoff ganz zu He verbrannt ist. Bis dahin hält der Strahlungdruck des Lichts die Gase gegen ihre Schwerkraft in der Schwebe. Ohne Licht stürzt das He auf seinen Schwerpunkt zusammen. Bei großen Sternen reicht diese Bewegungsenergie zur Fusion des He zu allen, auch den schwersten chemischen Elementen. Der Massenschwund aller Atome entweicht gleichzeitig in einem gewaltigen Lichtblitz -als„Supernova“.
Die Atome werden als Wolken von Sternenstaub verteilt und durch ihre Schwerkraft zu Planeten verdichtet. Unsere Erde und wir sind aus Sternenstaub.,,,
...Darwin veröffentlichte1869 sein Buch über die Entstehung des Lebens, mit dem Wettkampf der Lebewesen um Nahrung als Antrieb der Evolution. Wenig später folgte ein zweites Buch, in dem er Fähigkeit zu Kooperation als weiteren Antrieb der Evolution nachreichte.
DNA - Im Jahr 2000 gelang die Entschlüsselung unserer DNA mit zwei überraschenden Ergebnissen:
1. Unsere DNA teilen wir zu 99% mit den Schimpansen.
2. In nur einem % steckt die Mutation zum sprachfähigen Bewusstsein, dem reflektierten logischen Denken und der künstlerischen Phantasie.
Wir sind also viel näher mit der Affenherde verwandt, als Darwin wissen konnte. Sie vererbten uns das Spannungsfeld zwischen Nächstenliebe und Nationalismus. Nun ein Sprung auf heute:
Die Demokratie braucht das 1% zur verantwortlichen Gestaltung der Zukunft...."
(Die komplette Rede kann hier leider nicht vollständig wiedergegeben, aber gerne angefragt werden)
Links:
- zum Stadtwerk - https://wohnquartier-stadtwerk.de
- zum Arbeitskreis Energie - https://ak-energie.mitmachstadt-herrenberg.de/wordpress/der-ak-energie/
-
Die nächsten Termine von Walther Fischers AK Philosophie finden statt am
9.7. / 10.9. / 8.10. / 5.11., um 19Uhr, im Stadtwerk

Musik zu Beginn:
Musikverein Stadtkapelle Herrenberg - Reflections of this time
Komposition während des Gesprächs:
„Life in a nutshell" von Anton Kowalski

Dieser Podcast wird gefördert im Rahmen des Bundesprogramms 'Demokratie leben!' durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Transkript anzeigen

00:00:12: Herrenberger Herztöne.

00:00:15: Ein Podcast von Viola Gabor mit Menschen, Orten und Momenten aus einer besonderen Stadt.

00:00:37: Folge zwölf Im Gespräch mit Walter Fischer.

00:00:44: Bei meinem ersten Auftritt in Herrenberg vor einigen Jahren in der Stadtbibliothek fiel mir ein Herr in der ersten Reihe auf Und wir kamen nach dem Konzert ins Gespräch.

00:00:58: Für ein Stipendium, für das ich spannende Lebensgeschichten aufnehmen wollte, arbeiteten wir für ein erstes Klangprojekt zusammen.

00:01:13: Und deswegen kannst du natürlich bei den Herrenberge-Herztönen nicht fehlen, lieber Walter.

00:01:18: Herzlichen Dank, dass ich bei dir sein kann!

00:01:19: Du wirst dieses Jahr wenn mich nicht alles täuscht, neunundneunzig?

00:01:22: Ja,

00:01:23: September

00:01:24: ist

00:01:24: unglaublich.

00:01:25: Unglaublich.

00:01:27: Ich habe von meinen Eltern gute Gene geerbt, mein Vater wurde fünfundneinzig und meine Mutter hundertalms und die waren beide bis kurz vor ihrem Tod noch...

00:01:39: Und ich sehe, dass du auch ganz präsent einen Text für uns vorbereitet

00:01:45: hast?

00:01:45: Ja.

00:01:46: Ich fasse in diesem Text zusammen was mir wichtig ist.

00:01:53: Mein Credo!

00:01:55: Was ich liebe und was ich hasse.

00:01:58: Wenn ich es in Worte fasse bleibe ich damit nicht allein Kann es anderen weitergeben Freundlich ins Bewusstsein heben.

00:02:09: Fühl mich ein!

00:02:22: Als Philosoph in die Welt hineingeboren hat jeder Mensch ein Weltbild.

00:02:29: Die Schöpfungsgeschichte der Bibel war vor dem Hintergrund des antigen Weltbilds ein genialer Entwurf, aber heute wissen wir am Anfang war nicht Himmel und Erde sondern der Urknall – der mysteriöse Einbruch einer unvorstellbar riesigen Menge an Energie die sich Raum und Zeit gebar.

00:02:54: Nun folgt ein Ausflug in die Astrophysik, das macht Sinn weil unsere Geschichte viel interessanter ist als die biblische Schöpfungsgeschichte.

00:03:05: Der Astronom Hubble erkannte im Jahr neunzehntundersächsundzwanzig dass sich alle Sterne im All beschleunigt voneinander entfernen.

00:03:16: wenn man diese Expansion mit einer Gleichung beschreibt und in der die Zeit rückwärts laufen lässt, dann schrumpft das All vor dreizehn Komma acht Milliarden Jahren auf einen Punkt.

00:03:33: Damals geschah also der Urknall.

00:03:37: ein kleiner Teil dieser Energie verdichtete sich zu den drei leichtesten Atomen hauptsächlich Wasserstoff Ein wenig Helium und nur Spuren von Lithium.

00:03:51: Die Atomphysiker kennen die Temperaturen den Druck, die dazu nötig sind.

00:03:56: Materie ist hoch verdichtete Energie.

00:04:01: Die Gase zerstoben im All und sammelt sich dann wieder durch ihre Schwerkraft an einzelnen Stellen, die durch vermehrte Schwerkkraft weitere Atome anzogen.

00:04:14: Im Innern großer Mengen reichte dann

00:04:18: Druck

00:04:19: und Temperatur zur Fusion von zwei Wasserstoffatomen zu einem Heliumatom, das aber etwas leichter ist als die zwei Wasserstoffatomen aus denen es entstand.

00:04:35: Der Massenschwund entweicht als Lichte.

00:04:39: der Stern beginnt zu leuchten so lange bis sein Wasserstoff ganz zu Helium verbrannt ist.

00:04:48: Bis dahin hält der Strahlungsdruck des Lichts die Gase gegen die Schwerkraft in der Schwebe, ohne Licht stürzt das Helium auf seinen Schwerpunkt zusammen.

00:05:03: Bei großen Sternen reicht diese Bewegung das Energie aus zur Fusion des Heliums auch den schwersten Elementen.

00:05:15: Der Massenschwund entweicht von allen Atomen gleichzeitig in einem gewaltigen Lichtblitz als Supernova, die kann man ab und zu beobachten.

00:05:29: Die Atome werden wie der Wasserstoff nach dem Urknall als Wolken vom Sternenstaub verteilt und dann wieder durch ihre Schwerkraft zu Planeten verdichtet Und wir sind aus Sternenstau.

00:05:46: Auf unserer Erde schwang sich die Materie vor etwa vier Milliarden Jahren zum Leben auf.

00:05:53: Mit der Zeit entstanden so Algen, Pflanzen, Tiere, Affen und schließlich Menschen.

00:06:02: Ich bin ein Lebewesen mit Stoffwechselschweiß- und Hautschuppen und ganz auf eine intakte Natur angewiesen Von den Bodenbakterien bis zu den hohen Bäumen.

00:06:17: Ich bin ein Mischling vieler Ahnen und geprägt vom Weltbild meiner Eltern.

00:06:30: Das Faktum Evolution ist dokumentiert in Erdschichten.

00:06:38: Darwin veröffentlichte, aus dem Buch von der Entstehung des Lebens, mit dem Wettkampf der Lebewesen um Nahrung als Antrieb der Evolution.

00:06:51: Wenig später folgte ein zweites Buch, in dem er die Fähigkeit zur Kooperation und als weiteren Antrieb nachreichte unsere DNA.

00:07:06: Im Jahr two-tausend gelangt die Entschlüsselung unserer DNA – mit zwei überraschenden Ergebnissen!

00:07:15: Erstens, neunundneinzig Prozent unserer DNA treilen wir mit den Schimpansen.

00:07:24: Zweitens in nur einem Prozent steckt die Mutation zum sprachfähigen Bewusstsein dem reflektierten logischen Denken und der künstlerischen Fantasie.

00:07:38: Wir sind also viel näher mir der Affenherde verwandt als Darwin wissen konnte.

00:07:43: Sie vererbten uns das Spannungsfeld zwischen Nächstenliebe und Nationalismus.

00:07:51: Nun, ein Sprung auf heute!

00:07:54: Die Demokratie braucht das eine Prozent zur verantwortlichen Gestaltung der Zukunft.

00:08:02: Das Faktum Klimawandel ist dokumentiert in Borkernen aus arktischem Eis.

00:08:10: Es muss gelingen.

00:08:12: Das ist eine neue Menschheitsaufgabe.

00:08:17: Der Weg dahin führt über die vollständige Umstellung der Energieversorgung von fossilen Öl und Gas auf erneuerbare Energien, und er kann gelingen!

00:08:28: Die Energie aus Wind und Sonne ist heute schon billiger als Öl- und Gas.

00:08:34: Der Wechsel ist also sogar wirtschaftlich hochrentabel.

00:08:41: müssen nur den armen Ländern unter die Arme greifen.

00:08:45: Und dazu braucht es die Einsicht, dass auch die Kinder von Warlords in einem stabilen Klima eine Zukunft haben.

00:08:55: Wenn z.B.

00:08:56: die Sibirischen Permafrostgebiete in Russland nicht auftauchen und die Gletscher in den Gebirgen die Menschen weiter das ganze Jahr mit Wasser versorgen.

00:09:11: Der Physiker und Philosoph Karl Friedrich von Weizsäcker formuliert ein neunzehntundachzig drei notwendige Bedingungen, die erfüllt sein müssen damit das Überleben der technischen wissenschaftlichen Welt möglich wird.

00:09:29: Erstens – der militärische Frieden.

00:09:33: Zweitens – die soziale Gerechtigkeit.

00:09:37: Und drittens – die Bewahrung der natürlichen Umwelt Was ich liebe.

00:10:05: Wunderbar.

00:10:06: Walter, hast du für eine Vorbereitung?

00:10:08: Das habe ich noch nie erlebt!

00:10:12: Ich bin gerührt und du bist sehr wirksam... Als ich dich kennenlernte, sagte du, ich werde auf keinen Fall sterben wollen.

00:10:21: Bevor ich nicht erlebe, dass Herrenberg genau das geschafft hat?

00:10:28: Ich habe daran tätig mitgewirkt, sich gehört zu den Gründungsmitgliedern des Arbeitskreises Energien

00:10:38: und in den Achtzigern.

00:10:40: Wir hatten das Glück, dass der damalige technische Leiter der Stadtwerke gleich mitgemacht hat, als wir mit dem Vorschlag kamen dass wir auf den Schulen Sonnendächer installieren können.

00:10:56: Das war so erfolgreich das es inzwischen jetzt auf zehn Schulen solche Sonnendecher gibt und die Stadtwerke betreuen das weiter und diese Halbleitermodule sind so stabil dass die bis heute immer noch funktionieren.

00:11:14: Du hattest gesagt, wir alle diese Welt und wir sind aus Sternenstaub?

00:11:18: Ja!

00:11:19: Hat das einen poetischen Aspekt auch, dass wir aus Sternensstaub sind?

00:11:24: Bei Gedichten staunig bei Prosa sage ich, das sind die Fakten.

00:11:29: Also das hat bei mir eine religiöse Dimension.

00:11:33: Ich stammel ja aus einem Fachhaus.

00:11:36: Und inzwischen ist mir klar ... dass alle Göttern nur in der Vorstellung von Menschen gelebt haben.

00:11:43: Und leider hat das Christentum das Schicksal erlitten, dass es der Kaiser Konstantin im Jahr dreihundert fünfundzwanzig bei dem Konzil in die CEA zur Staatsreligion erklärt hat aus reinen Machtinteressen.

00:12:01: Der hat gemerkt, dass sich das Christendom schließlich auch gegen andere Religionen ausgebreitet hat, schließlich bis nach Raum.

00:12:11: Und dann hat er einfach gesagt also das ist jetzt die bessere Knute um die Leute auf Fahrerbahn zu halten und hat dann den Jubiserkult durch das Christentum einfach ersetzt nur aus Machtinteressen.

00:12:25: Was hat ihm das gebracht?

00:12:27: Er hat auf diese Weise Sein Kolonial Reich rings um das Mittelmeer und im vorderen Orient stabilisieren können.

00:12:36: Er hat den Leuten erlaubt, dass sie ihre eigenen Religionen behalten wenn sie nur gleichzeitig einmal im Jahr den römischen Staatskult ein Opfer gebracht haben Und die Leute waren ja damals alle noch ziemlich religiös geprägt.

00:12:56: Und indem sie dann dieses Opfer gebracht haben, wurden Sie auch emotional an diese Herrschaft gebunden.

00:13:05: Nur die Juden.

00:13:06: Die haben sich gewährt gegen diesen Druck der Römer und haben schließlich den Kampf verloren.

00:13:15: Sie wurden ja in einem schrecklichen Kampf vermichten geschlagen und dann in alle Welt verstreut.

00:13:26: Pfarrhaus?

00:13:27: In Grafenberg.

00:13:29: Das war die zweite Pfarrei meines Vaters, die erste war in Täferot mit der Filiale Moodlangen.

00:13:37: Damals war das noch ganz verschwiegendes kleines Dorf und alle meine drei Geschwister sind dort geboren.

00:13:44: und ich war dann erst in Grafenburg zur Welt gekommen.

00:13:48: Aber wie bist du hierhergekommen?

00:13:50: Wieso bist du ein Zeitzeuge Herrenbergs geworden.

00:13:53: Ich habe ja dann studiert in Stuttgart, elektrische Nachrichtentechnik und die ersten vier Jahre habe ich in München gearbeitet weil mein Professor auch aus München kam von Siemens.

00:14:06: Und nach vier Jahren waren sehr interessante jahren bin ich dann mit meiner jungen, gerade angereirateten Frau in die USA ausgewandert.

00:14:20: Und dort haben wir einen schließlich einen wunderschönen Ort gefunden wo wir dachten so möchten wir bis zum Lebensende leben.

00:14:29: Williamstown gehört schon zu den Bergen von Vermont.

00:14:34: Wir hatten also ringsum schöne Berge und Wanderwege.

00:14:39: da konnte man auf dem Appalachian Trail, der ging vierhundert Meter an unserem Haus vorbei.

00:14:45: Da konnte man einen ganzen Tag lang wandern und hat kaum einen Menschen gesehen.

00:14:50: Wenn es einer war dann waren es entweder in Schweizer oder Österreicher oder in Deutschland.

00:14:56: die Amerikaner sind damals noch nicht gewandert.

00:14:58: das hat sich auch jetzt zwischendurch völlig geändert.

00:15:02: Das war paradiesisch für euch dort?

00:15:05: Ja

00:15:05: also wir hatten erstens ein Grundstück mit Vier Morgen, weil uns der Verkäufer nicht weniger verkaufen wollte als wir morgen.

00:15:17: Und da kam ein Bechlein runter und es gab viele Tiere auf dem Grundstück.

00:15:24: Wir hatten ringsrum genug Seen, die so sauber waren, dass man trinken konnte beim Schwimmen.

00:15:30: Und wir hatten die Berge zum Skifahren.

00:15:33: und wir hatten dieses Liberal Arts College ... in dem kleinen Städtchen Williamstown so viel geboten wurde, wie wir in der Großstadt nicht hätten mehr wahrnehmen können.

00:15:46: Also das waren die drei Punkte, die uns da gehalten haben.

00:15:50: Und da sind eure Kinder zur Welt gekommen?

00:15:52: Das

00:15:52: sind alle meine Kinder, sie sind dort geboren...

00:15:55: Wie viele Kinder hast

00:15:56: du?

00:15:56: Drei Kinder!

00:15:57: Dann gab es eine Serie von Zufällen durch die wir wieder hier zurück kamen Und so kam er nach Herronberg.

00:16:05: Dann wart ihr wieder umgeben von Gebirge?

00:16:09: Nicht ganz so hoch!

00:16:10: Von

00:16:10: Bergen, ja schön!

00:16:11: Und

00:16:12: Wanderwegen...

00:16:14: Ja genau.

00:16:14: und dann haben wir in Kai ein Haus gebaut.

00:16:19: Dort haben wir zweiundvierzig Jahre gelebt.

00:16:24: Meine Frau ist dann im Jahr zweitausend elf gestorben und ich habe da noch zehn Jahre dort gelebt dieses Bauprojekt-Stadtwerk an.

00:16:37: Genau, wo wir jetzt gerade sitzen?

00:16:39: Du hattest schon in Kai bei deinem Haus dafür gesorgt, dass es ein sich selbstversorgendes Haus war oder?

00:16:44: Ja also ich habe das sehr gut isoliert und ich hab zuerst eine thermische Solaranlage installiert mit der man das warme Wasser machen kann.

00:16:56: Das ist auch effizienter eigentlich als die Photovoltaik und später habe ich natürlich auch noch Photovoltaik dazu gesetzt.

00:17:04: Und ich habe mir ein Elektroauto beschafft, das ich mit eigenem Solarstrom laden konnte.

00:17:11: Ich hab also mehr Energie erzeugt als ich selber verwendet habe.

00:17:16: Die Überschüsse habe ich dann ins Netz eingespeist.

00:17:19: Die war damals auch noch gut vergütet!

00:17:22: Ich habe zweiundfünfzig Cent pro Kilowattstunde für zwanzig Jahre Garantiert bekommen.

00:17:31: Und jetzt wohnst du hier in diesem Wohnprojekt, das doch ähnlich funktioniert?

00:17:37: Das versorgt sich auch selber, oder?

00:17:38: Es

00:17:39: ist von dem Architekten der hat auch schon das Haus weitblick gemacht.

00:17:44: Wir haben hier sehr dicke isolierte Außenwände, isolierte Decken und auch in der Tiefgarage... unter dem Boden.

00:17:52: Das heißt, du lebst wieder in etwas mit dem Du leben kannst?

00:17:56: Ja ja und das Haus ist also auch der Gestaltung wirklich fantastisch!

00:18:02: Und wir haben den Ehrgeiz alle arbeiten soweit es möglich ist selber zu machen.

00:18:09: Apropos alles selber machen... Und neulich bist du auf dem Marktplatz, ich dachte ist das der Walter?

00:18:18: Auf einem Fahrrad vorbei.

00:18:20: Ja

00:18:21: meine Söhne haben wir rechtzeitig geraten vom Fahrrad auf das Dreirad abzusteigen weil wenn man nicht im Fahrrad stürzt dann brechen die alten Knochen.

00:18:32: Auf diesem Dreiraden bin ich eigentlich sehr beweglich aber wenn nehme ich meinen Stock mit, das ist dann noch ziemlich anstrengend.

00:18:43: Es geht noch und es gibt ja jetzt auch sehr viele Dienste die man dann in Anspruch nehmen kann wenn man nicht mehr kann.

00:18:50: Und du wohnst hier so dass du ein Glasfenster zum Atrium hast?

00:18:56: Dass

00:18:56: man also auch im Vorbeilaufen mal einen Blick reinwerfen kann um gucken wie's eben geht.

00:19:03: Wenn man jemand begegnet, dann gibt es einen kleinen Schwatz.

00:19:07: Als ich beim Nikoreit war, da erzählte er gerade von dem ältesten Herrenberger der jetzt vor kurzem gestorben ist.

00:19:14: Also jeder fragt sich immer wie schafft man das so wach und so lebendig und so neugierig zu bleiben?

00:19:22: Und so beweglich wieder mit fast neunundneinzig.

00:19:25: Du sagst, dass sind die Gene vom Mutter- und Vater?

00:19:29: Es

00:19:29: ist natürlich ... Die Gene ist ein Geschenk aber Ich weiß auch, dass man dafür was tun

00:19:34: muss.

00:19:35: Hast du dein Leben lang aber schon getan?

00:19:37: Du hast immer beweglich,

00:19:38: sowohl

00:19:39: körperlich wie geistig.

00:19:40: Also ich habe jeden Morgen mit Dauerlauf angefangen, meinen Kreislauf und meine Lungen... aktiviert.

00:19:48: Das haben mir eigentlich schon meine Eltern beigebracht, die sind viel mit uns

00:19:52: gewandert.".

00:19:53: Und da hast du dich schon von klein auf erlebt als Teil der Natur wie du es auch in deinem Wunderbarntext gerade gesagt hast?

00:20:00: Du bist ein Teil von der Natur!

00:20:02: Du bist nicht wegzudenken oder du kannst dich nicht... Ja

00:20:05: ich habe das damals noch nicht so beschrieben aber ich brauchte bloß hinten zum Gartentür raus.

00:20:10: dann war ich auf einer Obstbaumwiese und ein paar Schritte runter.

00:20:14: Da war eine Quelle Und dann war da dieser riesige Nussbaum von unserem Nachbarn.

00:20:20: Ja, der Nussbau!

00:20:21: Der hat mich schon als Kind begeistert.

00:20:24: Genau und vor ein paar Jahren hast du mir ein Gedicht an ihn schon eingesprochen.

00:20:30: Hören wir mal rein...

00:20:37: Dieive Wurzeln.

00:20:40: Im Traum stehe ich gelehnt Am alten Baum

00:20:45: Wie

00:20:45: ungewöhnt Erwurzelt tief Berg abgeneigt und breit verzweigt das Kreuzlein-Rief aus hohem Ast, wenn ich schon fast

00:21:00: hinüberschrief.

00:21:04: Wo ich auch war, was ich auch tat, fernab im Traum blieb dieser Baum Symbol der Heimat

00:21:15: stark.".

00:21:15: Und eben diesen besonderen Baum hast du sogar als Hintergrundbild auf deinem Ja,

00:21:26: das hat meine Mutter mal aufgenommen.

00:21:28: Wahrscheinlich spät im Frühjahr fiel noch etwas

00:21:33: Schnee

00:21:34: und wir haben versucht einen Schneemann zu bauen.

00:21:37: Und wir haben also den Schnee zusammengetragen.

00:21:40: Der war aber schon voller duckler Blätter.

00:21:43: Also es waren ein nicht ganz gelungener Versuch.

00:21:47: Aber immerhin sitzen wir da stolz mit dem was wir erreicht hatten.

00:21:54: Oder ich hatte einen Schneepall in der Hand.

00:21:58: Das heißt, ihr habt mit diesem Baum gelebt und er begleitet dich immer noch?

00:22:04: Der Baum spielte in meinen Kindheitserinnerungen eine große Rolle.

00:22:10: Bei anderen Bäumen fällt ja die Rinde irgendwann nicht so bei dem Nussbaum.

00:22:16: Da sind die Schichten dichter miteinander verbunden.

00:22:21: Mit der Zeit wird der Baum dicker Und deswegen sind diese Rinden alles so pyramidenförmig.

00:22:29: Ich konnte mit meinen kleinen Füßen in die Lücken reintreten und konnte mich an den Rippen festhalten, konnte ich also hochklettern.

00:22:41: Das ist mir heute noch als freudiges Erlebnis bewusst.

00:22:48: Auf der Unterseite war es trocken!

00:22:52: Der Baum war sehr dick, ja über ein Meter dick.

00:22:55: Wenn es geregnet hat dann sind wir da untergestanden unter dem Baum.

00:23:01: Die Natur die beschützt und wie ein Freund zu einem ist?

00:23:06: Das wird dich sehr geprägt haben für alles Weitriff also dass das dir nicht gleichgültig ist.

00:23:12: Also die Naturverbundenheit, wir Kinder sind im Mai früh morgens aufgestanden und haben die Maikäfer von den Zwetschgenbäumen geschüttelt oder von den Kirschbäume.

00:23:23: Und haben sie dann in eine Tigarren-Schachtel gepackt, mit Blättern zum Fressen.

00:23:29: Die waren natürlich so verängstig, dass sie da nichts davon gefressen haben!

00:23:34: Unsere Nachbarskinder haben sich nach ihren Hühnern gefüttert.

00:23:39: Wir hatten eine Sandsteinmauer, die unsere Garten beim Haus begrenzt hat ... Die war, wenn sie Sonne drauf geschehen hat schön warm und dann haben wir sie draufgesetzt einzeln.

00:23:51: Und dann fingen sie an für den Flug fertig zu machen und dann flogen sie los und da haben wir auch so einen Maikäferflieger.

00:23:59: Ja,

00:24:01: Reinhard Mayerte dieses Lied gesungen es gibt keine Maikkäfer mehr.

00:24:04: Gibt das denn noch Maik Käfer?

00:24:07: Ja, es gibt noch wenige aber... Pestiziden und ausgeräumten Landschaften sind es weniger.

00:24:16: Die Maikäfer haben ja einen vierjährigen Zyklus, man weiß also vorher wann die nächste Generation da rauskommt.

00:24:24: Ich habe das kürzlich gelesen, da ist irgendwo in Hessen ein Ort wo sie mit noch Maikähfach Flut rechnen.

00:24:33: Du hast mir damals, als wir uns unterhalten haben sehr viele erzählt von deiner direkten Beziehung zu den ganzen Handwerkskünsten.

00:24:39: Ja ja!

00:24:40: Die es gab und dass du alles eigentlich gelernt hast weil du einfach dabei warst beim Meister in der Werkstatt.

00:24:46: Was gab's bei euch noch für Handwerke?

00:24:48: Also

00:24:49: gleich neben uns war ein Klüfer

00:24:52: Also der Fässer herstellt?

00:24:54: Der Fässern muss fässern.

00:24:55: Bei dem hab ich viele Stunden in der Werkstatt verbracht und draußen im Hof habe ich dann zugeguckt, wie die Fässers zusammengebaut haben.

00:25:06: Da wurde erst ein Reifen hingestellt und dann die Fasttauben reingestellt Und der Reifen unten hat sie zusammen gehalten und dazu mussten Sie inneren einen Feuer machen Damit es heiß wurde, denn nur bei Hitze haben wir geborgen ohne zu brechen.

00:25:25: Und dann wurde oben ein Reifen wieder drauf gesetzt noch die anderen Reifen dazwischen.

00:25:32: Könnte heute entfass bauen aber ich hab doch nie eins gebaut.

00:25:37: Was gab's noch?

00:25:38: Der nächste Handwerker war ein Wagnermeister der Herr Knüll.

00:25:44: Was hat der alles hergestellt?

00:25:45: Ich

00:25:46: habe sehr viele Stunden zugebracht und zugeguckt, wie er seine Räder gebaut hat.

00:25:54: Die Narben, die hat er von einem Dreckschlau bekommen.

00:25:57: Dann hat er die Speichen einzeln aus Eichenholz geschnitzt.

00:26:03: Und dann außen rum das Rad aus einzelnen Teilen.

00:26:09: Das hat er zusammengesetzt so dass es ein festes Rad war.

00:26:15: Und dann ging es zum Schmied.

00:26:16: Das war auch ein Künstler, der hatte den Stahl als Streifen, als Bänder zur Verfügung.

00:26:24: Also da hat er das erst mal grob gebogen damit es so auf das Rad gepasst hat und dann hat er die Enden flach ausgeschmietet sodass die beiden Enden chronisch so aufeinandergepasst haben.

00:26:42: Und dann kam das Wichtigste.

00:26:44: Er hat es in der Esse noch mal sehr heiß gemacht, dass die beiden Teile fast geschmolzen sind.

00:26:53: Dann fing er an mit dem Hammer in der Mitte zusammen zu drücken.

00:26:58: Das nennt man Hammerschweißen und dann hat er im Kreisraum weiter gehämmert damit die Schlacke nach außen gedrängt wird.

00:27:07: Nur Eisen ist dann in der Verbindung.

00:27:11: Also, ein nahtloser Reifen wurde daraus.

00:27:14: Da hat man die Verbindungsstelle gar nicht mehr gesehen und dann musste das auf das Rad passen.

00:27:21: Dann hat er ein paar Nachtbumpen zusammengerufen in der Eße heiß gemacht den ganzen Reifen Und dann wurde der aufs Rad gesetzt und mit den Hebeln draufgezogen Mit einem Wasserschlauch abgekühlt.

00:27:34: Dann hatte sich zusammen gezogen und war erst mal eingebrannt Und dann zusammengezogen und dann saß er fest

00:27:41: drauf.

00:27:41: Wenn du das so erzählst, sehe ich den kleinen Walter da sitzen und alle Schritte miterleben.

00:27:48: was für ein sinnliches Vergnügen das zu erleben aber auch etwas für eine harte Arbeit.

00:27:54: Ich habe auch beim Schreiner Google oft zugeguckt.

00:27:58: der hat alles gemacht was im Dorf gebraucht wurde also Bauschreinerei Fenster Türen Und für Jungverheiratete Paare hat er die Möbel gemacht.

00:28:10: Und die Särge?

00:28:11: Ja,

00:28:12: das konnte der alles nicht.

00:28:13: Also das waren eigentlich aus heutiger Sicht Künstler.

00:28:18: Ja, Künstlern genau!

00:28:20: Die alle dieses eine Prozent besaßen... Wie hast du denn den Übergang erlebt von eben dieser künstlerischen handwerklichen Zeit, wo alles noch wirklich Handwerk war und eine Verbundenheit besaß?

00:28:37: Jeder war ja verbunden miteinander mit der Natur.

00:28:40: Das begann mit unserem Umzug nach Sindelfingen.

00:28:45: Mein Vater, der alte einzige Pfarrer in Dorf in Sindelfingern, mit einer schönen romanischen Martinskirche... Und ich habe meine technische Laufbahn Der Göring hatte ja damals eine formilitärische Ausbildung für die Jungs gemacht.

00:29:03: Er war ja für die Fliegerei zuständig und in Sindelfingen gab es schon in den zwanzigern Jahren eine sehr aktive Segelfliegergruppe, das war auch eine kleine Werkstatt.

00:29:17: Alles Material haben wir umsonst bekommen nicht?

00:29:20: Und dann haben wir also Segelflugzeuge gebaut und kleine Modelle.

00:29:26: Als ich verzehn wurde, durfte ich in die Fliegerhaarjot.

00:29:29: Da war die Vorschrift noch aus der Tradition des Segelfliegers, dass man erst mal zweihundert Werkstattstunden ableisten musste, wenn man überhaupt fliegen konnte.

00:29:42: Und da gab es einen jungen Werkmeister vom Daimler.

00:29:46: Der hat uns dann das Handwerk in diesen zweihundert Stunden beigebracht was da nötig ist also Wie man das Holz aus dem Stamm rauskriegt, auch nach Handwerkskunsten.

00:30:01: Und wie man dann aus Blech die Beschläge macht und wie man die Drahtseile speist in Merzarbeit.

00:30:11: Also das hat mir alles von dem jungen Handwerkersmeister beigebracht

00:30:16: bekommen.".

00:30:17: Ihr wart alle unter einer politischen

00:30:19: ...

00:30:22: Die

00:30:24: politische Gesinnung hat uns damals noch nicht interessiert.

00:30:28: Wir wollten halt fliegen und das dauerte dann einige Monate, bis ich die A-Prüfung hatte.

00:30:36: Bei der A- Prüfung musste man zehn Sekunden fliegen oder zwanzig Sekunden, zwei sich nehmen genau.

00:30:44: Das starten und gleich Gewicht halten im Fliegen ... Und dann das Land.

00:30:50: Also Walter, ich bin wirklich sehr beeindruckt wie detailgetreu und wortgewand du dich erinnerst?

00:30:56: Reden

00:30:57: habe ich als Gewerkschaftsmitglied bei Betriebsversammlungen gelernt.

00:31:03: Ich war bei der IBM und da gab es Betriebesversammlung.

00:31:06: Die deutsche Niederlassung wurde von den USA aus dominiert und kleingehalten Und da gab es dann immer Konflikte, Probleme.

00:31:17: Die wurden dann in der Betriebsversammlung ausgehandelt und da habe ich zum ersten Mal frei vor einer großen Menge geredet.

00:31:28: Da steht man dann oben unten.

00:31:33: Es gab auch bei der IBM Rhetorikkursangebote.

00:31:38: die habe ich immer wahrgenommen.

00:31:40: Da habe ich also viel gelernt.

00:31:42: das kam so allmählich Und ich war schon vier Jahre in Herrenberg.

00:31:47: Dann bin ich in die SPD

00:31:49: eingetreten.".

00:31:50: Da müssen dir dann auch viele Heimatvertriebene begegnet sein, oder?

00:31:54: Ja!

00:31:55: Eine große Gruppe – das waren Sozialdemokraten aus Oemen.

00:31:59: Die haben sich dann in der Vorgesangssiedlung hier durch den Tischlisten

00:32:04: angesiedelt

00:32:05: und der Anführer von denen wurde zum Gründer... Der SPD in Herrenberg.

00:32:13: Die gab's zwar vorher schon, aber das waren nur zwei, drei Leute.

00:32:17: im Dritten Reich war es ja verboten.

00:32:20: Paul Schmidt und sein Vater.

00:32:23: Und dann nach dem Krieg waren die erste Fraktion auch im Gemeinderatern.

00:32:30: Und auf die bist du dann gestoßen sozusagen?

00:32:32: Ja, und dann bin ich der Vorsitzende.

00:32:35: Zunächst mal vier Jahre ... Dann hat der Michel Pfefflin übernommen.

00:32:41: Der war Lehrer am Schickert-Gynasium und der wurde dann krank, nach noch mal ein paar Jahre vertretungsweise gemacht.

00:32:50: Eigentlich würde man dich ja bei den Grünen suchen von dem, was

00:32:54: du... Ja, ich bin der erste Grüne Sozialdemokrat.

00:32:57: Du bist wirklich ein Zeizäuge!

00:32:59: Also mit dir könnte ich ja über jedes Thema der letzten hundert Jahre ... in die Tiefe gehen.

00:33:05: Eigentlich

00:33:06: wie die Eminence im Hintergrund,

00:33:10: die

00:33:10: so viel erlebt hat sehr viel beisteuern.

00:33:13: ich könnte mit dir glaube ich mehrere Folgen machen.

00:33:15: ganz toll interessiert mich immer wenn ich mit den Herrenberger Herztönen unterwegs bin.

00:33:20: was macht Herrenberg für sich so besonders dass man hier solange bleibt denn du bist ja geblieben.

00:33:26: Gibt das so was wie ein Herrenberger Herzschlag, der dir gefällt?

00:33:29: Es hat sich gewaltig verändert.

00:33:31: Als wir nach Herrenberg kamen war hier kulturell wenig los.

00:33:36: Also die einen Prozent haben sich sehr stark entwickelt in Herrenberg.

00:33:41: Mein kulturelles Interesse ist auch fokussiert auf wenige Dinge.

00:33:46: Ich kann nicht alles machen.

00:33:47: Aber ich nehme wahr, dass hier sehr viel kultureller los ist ... Und alles auf ehrenamtlicher Basis, nicht?

00:33:57: Allmählich schrumpft meine Kräfte auch.

00:34:01: Aber wenn in der Spitalkirche irgendein interessanter Vortrag ist und ich gehe ab und zu ins Mutterhaus zu einer Wochenschlussandacht ...

00:34:13: Die Knolls saßen in meiner Podcast-Folge beim Scheufele!

00:34:17: Du bist ja in der wunderbaren Situation.

00:34:19: also auch in Herrenberg gibt es bestimmt Einsamkeit im Alter.

00:34:23: Du hast auch Kinder, du hast hier die Menschen im Haus.

00:34:27: Bei dir käme Einsamkeit indem sie nicht auf.

00:34:29: Nein!

00:34:30: Du

00:34:30: kannst dich sofort unter Menschen begeben wenn du...

00:34:33: Aber ich muss die Initiative ergreifen?

00:34:35: Ich habe die Bringschuld.

00:34:37: Das ist mir klar.

00:34:38: Du hast die Menschen aufzusuchen sozusagen, du kommst auf

00:34:43: die Menschen zu.

00:34:45: Gebt es da was zu verändern?

00:34:47: Ich frag mich das immer!

00:34:48: Wir müssen doch alle nicht vereinzelt sein.

00:34:50: Wir sind doch eine Gemeinschaft, was du am Anfang auch gesagt hast.

00:34:53: Ja ja aber also die Organisation der Kommunikation ist anstrengend.

00:34:59: Das schafft dann nicht mehr jeder.

00:35:01: Irgendwann kann ich das auch nicht mehr.

00:35:04: Du meinst jetzt nicht die technische Kommunikation?

00:35:06: Die

00:35:06: technischen ist ja auch ein Hilfsmittel, aber die menschliche Kommunikations.

00:35:10: Ich betreibe noch eine Arbeitskreisphilosophie – das war mir wichtig weil ich wie du gehört hast als Philosoph in die Welt hineingeboren hat.

00:35:20: jeder Mensch ein Weltbild.

00:35:24: Das kann

00:35:24: man ja einen kleinen Kindern beobachten.

00:35:28: Und dieser Kreis findet hier im Haus statt?

00:35:30: Ja!

00:35:31: Kann der besucht werden von außerhalb, wenn das die Hörer hört und sagt

00:35:34: na den möchte

00:35:35: ich doch mal kennenlernen.

00:35:36: Ich kann dir die Termine mal geben im Haus ist es bekannt aber die Leute haben alle ihre eigene Interesse.

00:35:44: in dem Arbeitskreis selbst sind wir neuen Leute und je nachdem was das Thema ist kommen dann noch ein paar vom Haus durch.

00:35:54: Du bist auf jeden Fall als Philosoph geboren worden, nicht jedes Kind das heute geboren wird hat die Chance glaube ich dazu.

00:36:00: Nein

00:36:00: eben es ist traurig.

00:36:02: Ja

00:36:02: du hattest die Freiheit auch und die Natur.

00:36:05: Einfühlsame Eltern die mich da gefördert haben.

00:36:09: Wie du gesagt hast geprägt von den... Natürlich liegt mir am Herzen mit dir, auch wenn wir da nicht tief einsteigen, was du erlebt hast im Zweiten Weltkrieg.

00:36:19: Aber hören wir mal rein, was Du mir dazu vor ein paar Jahren erzählt hast?

00:36:23: Meine Eltern haben ja unter dem Ziel der Verschwiegenheit erzählt dass die Behinderten umgebracht werden Und ich war mit meiner Mutter in Stuttgart am Morgen nach der Reichskristallnacht.

00:36:35: Wir sahen in der Kalversstraße, wie da die jüdischen Geschäftsleute ihre kaputten Fensterschreiben zugebreitert haben und den Scherben von dem Gesteig gefegt haben und wie die anderen Stuttgarter Passanten da erschrocken und gesenkten Hauptstrom rumliefen.

00:36:53: Als der Krieg anfing, hatten wir gehofft ... Dass er noch so lang dauert, dass wir auch dabei wären.

00:36:59: Ja wirklich!

00:37:01: Und das war seltsam.

00:37:02: also das Militaristische Das war so üblich damals.

00:37:07: Meine Eltern die sahen da gar keinen Konflikt zwischen dem Christentum und diesem Militarismus.

00:37:14: sehr merkwürdig.

00:37:15: Ich war noch Kurzsoldat.

00:37:25: Das war eine groteske Situation, weil jeder wusste ganz genau der Kriegsverloren geht zu Ende.

00:37:31: Bei Nacht hörte man bei Ostwind schon den Kanonendunner von der Ostfront und wir lernten das Mosse-Alphabet also nichts wäre.

00:37:40: Das Ganze war nur so ein Tun als ob und glücklicherweise hat uns irgendjemand noch in den Westen versetzt.

00:37:46: dann kam ich nach Marburg.

00:37:48: Dann wurden wir dort von jetzt auf gleich in zwei Dörfer die ganze Kompanie eingegartiert.

00:37:53: Die Leute waren völlig überrascht, nicht?

00:37:55: Und dann waren wir da untergebracht und wurden noch eine Weile zur Infanterie ausgebildet.

00:38:00: Und dann sind wir losmarschiert!

00:38:01: Die Amerikaner waren schon über den Rhein... ...und so bin ich dann im amerikanischen Gefangenschaft gerade.

00:38:06: Und sie haben uns nach Südfrankreich geschafft.

00:38:10: Da gab es ein Straflager, indem die Amerikanern ihre Militärangehörigen, die sich irgendwas zu Schulden kommen lassen haben.

00:38:19: Die waren da drin und wir waren als Servicekompanie für die Bewacherergruppe zuständig.

00:38:28: Und die Offiziere, die haben gerne Musik gehört und dann hat sich von den Gefangenen eine Kapelle gebildet und haben für sie gespielt.

00:38:36: Das war insofern schon ein sehr nettes Verhältnis.

00:38:39: Da war ich jetzt in einer Gruppe von Leuten die irgendwie völlig willkürlich zusammengewürfelt waren, jeder kam irgendwo her und keiner musste damit rechnen dass er später nochmal dem wieder begegnet.

00:38:54: Das war also eine Situation in der man auf einmal spüren konnte was steckt nun an Qualität in so einem Menschen drin?

00:39:06: Dadurch, dass diese soziale Einbindung völlig weggefallen war, war jeder auf sich selber gestellt.

00:39:12: Und das waren ja eben da wir Schuppen von den Augen gefallen.

00:39:16: was so ein Mensch darstellt wie der sich gibt, wie der mit anderen umgeht Das hängt überhaupt nicht von der Bildungsstruktur ab sondern ist davon völlig unabhängig.

00:39:28: Ich habe eine Weile Englischunterricht gegeben.

00:39:30: Einen habe ich auf einmal Bewunderung gelernt einen Metzgergeselle.

00:39:35: Den habe ich dann mal beobachtet, der hat sich mit den einen unterhalten.

00:39:41: Mit einer anderen Gruppe hat er Skat gespielt und auf den Knien hatte er seine aufgeschriebenen Englischen Wörter liegen Und am nächsten Tag konnte er die Wörtern alle.

00:39:54: Ein hochbegabter Mensch, der nur aufgrund seines Milieus kein Akademiker geworden ist.

00:40:02: prägende und stützende Erkenntnis.

00:40:06: Die Gefahr im Alter ist ja immer, dass man in der Nostalgie oder in der Erinnerung versackt.

00:40:14: Ich pflege die in der Form wie sie mich heute

00:40:18: weiterbringt.".

00:40:19: Mich interessiert natürlich wenn jemand auf dieses Leben zurückschaut und sieht das die AfD so erstarkt...

00:40:25: Das ist also erschreckend!

00:40:27: Die AfD-Geschichte habe ich vom Anfang an miterlebt.

00:40:31: Die können professionell umgehen mit den sozialen Medien.

00:40:36: Das ist ihr Plus, die machen das besser als die Parteien und auf diese Weise ...

00:40:42: Kann sie motivieren?

00:40:45: Also ich habe mal einen Leserbrief geschrieben.

00:40:47: Ich hab da drin gesagt nur die allerdünsten Kälber wählen ihren Metzger selber.

00:40:53: so sehe ich die Situation.

00:40:55: also ich hoffe dass es ein Verbotsverfahren gibt.

00:41:01: Noch verrückter ist jetzt, dass als die Klimaforscher mit ihren Theorien an die Öffentlichkeit gingen haben die drei großen fossilen Energiekonzernen in den USA ihre eigenen Leute beauftragt zu recherchieren ob das stimmt.

00:41:22: Denn für sie war es ja natürlich ein Problem und die kamen übereinstimmen zu dem Ergebnis.

00:41:30: Ja, die haben recht.

00:41:31: Der Klimawandel hat begonnen so.

00:41:33: Worauf die Chefs diese Berichte in die Schublade gesteckt haben und mehrere Milliarden in die Propaganda gesteckten, die das alles leugnet bis heute?

00:41:46: Ich war ja schon lange mit der Klimageschicht vertraut, schon Ende der Achtzigerjahre seltsamerweise in einem Magazin meines... Fachbetriebs-Elektronik.

00:41:58: Dort war ein Bericht über die Analyse der ersten Tiefenbohrung in der Antarktis des Stationen Bostock und dort sind die tiefsten Schichten vierhundertzwanzigtausend Jahre alt.

00:42:13: dadurch, dass sich die Temperatur im Jahr verändert bilden sich je nach Temperatur andere Kristallformen in dem Schnee und deswegen kann man jetzt wie an den Baumringen eines Baums jedes einzelne Jahr von diesen vier unter zwanzigtausend Jahren identifizieren.

00:42:37: Und man kann analysieren, wieviel CO-Zwei in der Luft war und so weiter und wie warm das war.

00:42:45: Da sieht man dann etwa hundertjährige Zyklen.

00:42:49: Das geht relativ schnell hoch in zwanzichtausende Jahren und geht dann linear wieder runter in achtzigtausend Jahren.

00:42:58: Und dann fängt der nächste Zügel an, diese Zyklen sind bekannt.

00:43:02: die Erdachse taumelt so ein bisschen das ist schon lange bekannt.

00:43:08: also man weiß woher es kommt.

00:43:10: und jetzt sind wir nach einer Warmzeit relativ hinter einem Maximum.

00:43:18: Und jetzt sollte die Temperatur bei uns wieder linear runtergehen.

00:43:23: Und stattdessen geht sie plötzlich exponentiell hoch, also wenn man das darstellt dann ist es dramatisch und zwar seit der Nutzung der Kohle für die Energie.

00:43:35: Das fängt an im neunzehnten Jahrhundert und wird jetzt beschleunigt durch Öl und Gas nicht so.

00:43:42: Das habe ich damals zur Kenntnis genommen.

00:43:46: Das hat mich da schon auf die Spur gebracht.

00:43:49: Ich hab ja zwölf Jahre in den USA gelebt und damals war ich noch der Illusion verfallen, dass die USA eine Demokratie sein.

00:44:00: Aber mir ist jetzt klar, dass von Anfang an die USA ne Oligarchie waren, die vor allem reichen Firmen Verteile geben.

00:44:12: Und jetzt mit dem Trump ... Alles ganz unverblümt.

00:44:16: Der spricht das auch noch aus?

00:44:18: Ja, ja.

00:44:19: Also die Demokratie ist dort bei uns die Religion des Obiumviertelsvolks.

00:44:24: In den Schulen fängt der Unterricht an wie High-Pledge Legion und so weiter... Die werden auf dem demokratischen Prinzipien getrimmt.

00:44:33: was sie USA außenpolitisch machen Das interessiert sich Leute nicht.

00:44:40: Da gibt es eine Serie von schrecklichen Dingen.

00:44:43: also In ganz Südamerika wird systematisch eine demokratische Entwicklung verhindert.

00:44:50: Also der Allende in Chile, das war der erste demokratisch gewählte Präsident, da gibt es sehr viel Kupfer und die Kupfermänen wurden von der ITT und der amerikanischen ITT ausgebeutet.

00:45:06: Und dann sagte der Allene ihr habt die Mänen gebaut Und ihr könnt eure Kupfer haben, aber wir wollen als Staat auch einen Teil der Erträge als Steuern haben.

00:45:19: Das hat ausgereicht um den zu

00:45:20: küppen.".

00:45:21: Genauso ist es im Iran gelaufen.

00:45:24: da war da Mossadeck als erster demokratisch gewählter Präsident und bei dem lief das mit den Ölgesellschaften ähnlich.

00:45:33: nicht gesagt ihr habt ja investiert das gehört euch die Bohrungen Aber wir wollen als Staat ein Teil, dann wurde er auch gekippt.

00:45:43: Es geht immer um Beute und Ausbeutung überall, wo wir hinschauen.

00:45:49: Du bist noch aufgewachsen in einer Zeit, wo es um Verbindung, um Miteinander, um die Achtsamkeit mit der Natur ging, um diesen Baum letztendlich

00:45:59: ...

00:45:59: Der Schatten spendet und den man für sich als Baum schätzt.

00:46:04: Und das was er einem geschenkt

00:46:06: nutzt?

00:46:07: Aber nicht ausbeutet.

00:46:10: Du hattest mal erzählt, dass es sehr traurig war als dieser Baum.

00:46:12: Wie

00:46:13: ungesägt wurde das.

00:46:14: Das bahnte sich schon an.

00:46:16: Solange wir noch dort wohnten, da ist einmal im Sturm ein großer Ast abgebrochen und dann sah man wie hoch der ist.

00:46:25: Und in dieser Höhlung hat sich ein Kreuzlein angesiedelt.

00:46:29: Ich hab immer ... Wenn wir Kinder schon im Bett waren, haben mir dieses Kreuzleim ... Rufen hören.

00:46:37: Gewinnt, gewinnt!

00:46:39: Das habe ich noch im Ohr.

00:46:41: Ich glaube, das waren fünf Jahre nachdem wir weg waren oder der Baum gefällt weiter.

00:46:48: Altersschwach war?

00:46:50: Und sollte allen alles zur Verfügung stehen?

00:46:54: Ja ja... ich bedauere Kinder heute.

00:46:58: Selbst die Dörfer sind ja völlig verstättelt schon nicht bei uns.

00:47:01: Was denen da entgeht, was eigentlich noch sein könnte?

00:47:06: Und

00:47:06: wir sollten alle alten Handwerke mal erlebt haben und...

00:47:12: Das ist sich nicht zurückdrühlen.

00:47:14: Ja aber es lassen sich ja die Werte schätzen bewahren.

00:47:19: Deswegen ist es so wichtig davon zu erzählen.

00:47:20: Aber das hast du hier auch ganz wunderbar ausgetragen.

00:47:24: Danke, lieber Walter für dieses besondere Gespräch und deine Zeit.

00:47:30: Und ... Deine Wirksamkeit!

00:47:47: Was ich liebe, was ich hasse Wenn ich es in Worte fasse Bleibe ich damit nicht allein Kann es anderen weitergeben Freundlich ins Bewusstsein heben Wirksam

00:48:01: sein Hörten.

00:48:33: die zwölfte Folge im Gespräch mit Walter Fischer gefördert im Rahmen des Bundesprogramms Demokratie Leben durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

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