Herrenberger Herztöne - Heimat finden braucht Zeit

Shownotes

Heimat finden braucht Zeit

Auf der Suche nach den Herrenberger Herztönen treffen sich in dieser Folge Nachkommen der zahlreichen Heimatvertriebenen, die vor 80 Jahren nach Herrenberg kamen und 29% der Bürgerschaft ausmachten: „Wenn so viele der Herrenberger Vertriebene und Flüchtlinge waren, die hier Heimat finden mussten, kann man eigentlich nicht über Herrenberger Herz sprechen, wenn man sie nicht einbezieht.“(O-Ton)

14 Millionen deutschstämmige Menschen aus Ost/Südosteuropa mussten sich nach dem 2. Weltkrieg ein neues Leben in der Fremde aufbauen. Sie wurden enteignet und – als besiegte Deutsche – aus Ostpreußen, Schlesien, Pommern, Ungarn, Rumänien und der Tschechoslowakei vertrieben. In Viehwaggons gepfercht wussten die Vertriebenen oft nicht, wohin die Fahrt kreuz und quer durch Deutschland führte.
Eine Zeitzeugin, die als Kind hier ankam, sowie 3 Nachkommen berichten von ihren individuellen Familiengeschichten und der Zeit, die es braucht, um Heimat zu finden.

Zum erwähnten Haus der Donauschwaben:
https://www.haus-donauschwaben.de/wordpress/home/
Zum Lager Kehrau:
https://www.jettingen.de/de/Aktuelles/Das-staatliche-Durchgangslager-Unterjettingen

Dieser Podcast wird gefördert im Rahmen des Bundesprogramms 'Demokratie leben!' durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Musik am Anfang: Musikverein Stadtkapelle Herrenberg - Reflections of this time
Musik am Ende: Béla Bartók - Lorenzo Buczek - Variation 67

Transkript anzeigen

00:00:12:

00:00:49: In dieser Folge treffe ich mich dafür mit Drei Nachkommen der zahlreichen Heimatvertriebenen, die vor achtzig Jahren hier in Herrenberg ankamen.

00:01:01: Vierzehn Millionen deutschstämmige Flüchtlinge aus Ost-, Süd-Osteuropa mussten sich nach dem Zweiten Weltkrieg ein neues Leben in der Fremde aufbauen – sie wurden enteignet und als besiegte Deutsche aus Ostpreußen, Schlesien, Pommern, Ungarn, Rumänien und der Tschechoslowakei vertrieben.

00:01:23: Auch nach Baden-Württemberg kamen viele Familien in Fiva Gans gepfercht – oft nicht wissend wohin die Fahrt kreuz und quer durch Deutschland führte!

00:01:34: Vor ein paar Jahren habe ich bereits mit Bärbel einen Klangporträt aufgenommen, die noch ein Kind war als sie an Ostern aus Ungarn hier ankam.

00:01:48: Gleich zu Beginn dieses Gesprächs, das wir bei einer ihrer Töchter geführt haben, hören wir einen Ausschnitt aus Bärbels

00:01:57: Erinnerungen.

00:02:02: Eigentlich

00:02:07: heiße ich Barbara.

00:02:10: Aber im Schwaberen war Barbelmär in, muss man sagen.

00:02:32: Maria Kalnuck in Ungarn.

00:02:36: Maria Kalknuck sagt vielleicht ist Maria schon, dass das ein Wallfahrtsort auch war, Kleinstorfle?

00:02:44: Meiner Schwester

00:02:48: bin ich dann aufgewachsen.

00:02:54: Das

00:02:59: Bild von daheim, vom Haus, der Scheuer und vom Stallhänden, das lebt eigentlich immer noch.

00:03:09: Es ist alles nur im Traum zu fassen diese schönen Träume von Daheim.

00:03:16: Für mich war das jetzt nicht so, wenn man Haus und Hof verlassen hat.

00:03:20: Aber meine Leider dort auch noch ... Man kann von mir gesehen all die Leute ... Man könnte gar nicht dankbar sein, dass sie das weiterleiben übermittelt haben oder so.

00:03:30: Und Respekt haben vor den Leuten.

00:03:32: Das ist eine andere Zeitgewehr-Vehigkeit?

00:03:34: Ja!

00:03:35: Es war nicht klar, dass wir nach Deutschland kommen.

00:03:37: Dann sind wir in die Nachbarngemeinde.

00:03:38: Da ist man dann einfach eingeworfen mit seinem Pinkel.

00:03:41: Nicht viel, ich glaub, etwa zwanzig Kilo, also ging's wieder weiter.

00:03:45: Man wusste nicht, wo man hinkommt.

00:03:47: Und dann ist man in die Viehwagen.

00:03:50: Manchmal hat der Zug kalt, wenn sie halt betteln gehen.

00:03:52: Meine Mutter hat immer gesagt, das Schlimmste, was es gibt, wenn man eine Sachen geteilt hat und man muss jetzt bettelt gehen.

00:04:21: Eigentlich an den Ufer, wo man früher sesshaft war.

00:04:25: Das ist noch die Heimat, oder?

00:04:28: Wenn wir da mit den Lastwegen entkehren haben, waren das Matzbaracca.

00:04:33: Da war es natürlich das Gleiche!

00:04:34: Man hat nicht viele Möglichkeiten gehabt zum sich überhaupt rein- lich halten.

00:04:38: Ich weiß gar nicht wie das war.

00:04:39: Die Frauen alleckern kann man sich gerne mir vorstellen.

00:04:42: Bis das dann klar war, wo wer kommt ... Natürlich kann man ja vorstellen, dass die Leute nicht begeistert waren.

00:04:48: Wenn heute jemand kommt und sagt, ich müsste eine Familie mit zwei Kindern aufnehmen.

00:04:54: Aber die Alte war skeptisch.

00:04:56: Man kann es vielleicht auch verstehen.

00:04:58: Ein Flüchtling kann man doch nicht von Gott das willen?

00:05:01: Ich denke, da muss man an sich arbeiten.

00:05:04: Das muss man ablegen.

00:05:05: Kind alles liebe Menschen sein!

00:05:07: Und alles Kind auch Schlechtere hat's immer dabei.

00:05:11: Vom Andrauno, was der von sich gibt.

00:05:14: Der nimmt vielleicht das an, was ich von mir gebe und das macht er auseinander aus.

00:05:17: Und da kann etwas Wunderbares dabei rauskommen?

00:05:20: Da kann was Wunderbares dabei herauskommen!

00:05:23: Das sind nämlich wir.

00:05:27: Schön ist

00:05:28: es.

00:05:28: Sehr schön genau.

00:05:30: Das seid ihr...

00:05:31: ...und ihr seid Katja, Andrea und Michael.

00:05:35: Drei Nachkommen von den vielen Vertriebenen die nach dem Krieg zahlreich auch hier in Herrenberg gelandet sind.

00:05:44: Stellvertretend für viele, viele andere Schicksale-Familiengeschichten sitzt ihr jetzt hier an dem Tisch bei Katja.

00:05:53: und Katja du hattest mir in einem Vorgespräch gesagt dass Nachdemkrieg neunundzwanzig Prozent der Bevölkerung aus vertriebenen Kriegsflüchtlingen

00:06:05: Das ist eine immense Zahl.

00:06:07: Mir ging es so mit Herrn Berger Herzdöne, dass ich dachte, wenn so viele der Bevölkerung Vertriebene und Flüchtlinge waren, die hier Heimat finden mussten, kann man eigentlich nicht über Herrn Berge Herz sprechen, wenn man die Leute nicht einbezieht?

00:06:21: Weil die Herzen haben weitergeschlagen und letztendlich in der nächsten Generation sind noch mehr Herr Berger Bevölkerungen.

00:06:29: Und das wurde mir dann irgendwann so klar, dass wir so viele sind.

00:06:32: Diese Kinder- und Kindeskinder aus diesen vertriebenen Familien hervorgangen sind, dass hier ganze Stadtviertel eigentlich gegründet werden mussten und das die ja eigentlich keine neue Heimat wollten.

00:06:46: Die blieb immer die Alte.

00:06:47: bei meiner Mutter, bei meinen Großeltern war der Heim immer in Ungarn.

00:06:53: so bin ich aufgewachsen mit diesem Gefühl die hatten eine andere Heimat und diese Heimat wird es auch immer bleiben.

00:06:58: Und die haben sich im Laufe der Jahre als klar wurde geht nicht mehr zurück.

00:07:03: Hier eine zweite Heimat schaffen müssen und mir stand so klar geworden, dass Heimat finden Zeit braucht.

00:07:09: Und für uns ist es nämlich in dieser zweiten und dritten Generation ja keine Frage mehr.

00:07:14: Ist jetzt Herrenberger?

00:07:15: Wir sind Herrenberger!

00:07:16: Wobei

00:07:17: ich das gar nicht so sehe.

00:07:18: Bei meinen Eltern war es sehr unklar, die waren vierundzwanzig als sie vertrieben worden sind erst im Kehrhaut an den Haaslach.

00:07:24: dann sind sie in Vogelsang gekommen in die Umgangssiedlung wo sie die Möglichkeit hatten zum günstigen Kredit was zu bauen.

00:07:30: und mein Vater ging immer davon aus dass er wieder zurückgeht.

00:07:34: viele seiner Geschwister sind wieder zurück zumindest auf der österreichischen Seite in Bogenland in die Nähe vom Neuesiedler See.

00:07:40: da wollte er zumindest auch hin.

00:07:43: meine Mutter wollte aber Partu überhaupt nicht mehr weg.

00:07:47: Für sie war das ganz eigenartig besetzt die Heimat, da wollte sie nicht mehr hin.

00:07:51: Sie hat für sich gesagt, das ist jetzt meine neue Heimat.

00:07:54: Da bleibe ich fünf Kinder, da lasse ich mich nieder und es war immer so das Schwierige zwischen meinen Eltern weil mein Vater sich nie damit abgefunden hat hier zu bleiben Und ich habe das in irgendeiner groten Form übernommen.

00:08:07: Ich hatte noch nie ein richtiges Heimatgefühl Und ich habe das erst gemerkt, als meine Mutter gestorben ist.

00:08:12: Wo man sich immer getroffen hat, wo es Essen gab und da gab's die Sprache, da gabs die Gerüche, da gabs das Spezielle von früher, von zuhause, von Ungarn ... Als das weg war, als meiner Mutter gestorsen ist, war für mich auch irgendwie die Heimat weg.

00:08:26: Ich konnte nicht sagen okay, ich bin Herrenberger oder hier beheimatet, sondern für mich ist da ganz viel weggebrochen.

00:08:32: Diese Speziele war dann auch für mich weg.

00:08:35: Und ich hab seither so ein Heimatproblem.

00:08:38: Aber das glaubt sehr subjektiv.

00:08:40: Mein Vater war im Krieg, der war in Russland in Gefangenschaft.

00:08:44: Als er an der ungarischen Armee war und gerade auf Heimaturlaub war, hat er mitgekriegt, dass quasi das ganze Dorf vertrieben wurde.

00:08:52: Und dann ist er mit quasi ins Heimat-Uraub vom Militär.

00:08:56: Ist es da net desertiert sogar?

00:08:59: Vielleicht!

00:09:00: Musste er dann weg oder ging er einfach mit?

00:09:03: War das abgesprochen, oder nicht?

00:09:05: Das war alles schon so

00:09:05: in Auflösung.

00:09:07: Ja, wahrscheinlich hätte auch nicht länger beim ungarischen Militär bleiben dürfen als deutschstämmiger denke ich.

00:09:13: Achso

00:09:14: und die Familien waren eh zerrissen also mein Opa war auch interniert im Lager hat sich dort um die Tiere gekümmert weil er als Landwirt das gut konnte mit Pferden und die Oma mit ihrer Schwiegermutter Den zwei Kindern musste dann allein das alles stemmen und alleingehen, als der Aufruf kam.

00:09:33: Und dann für ein halbes Jahr in paar Ortschaften weiter in Zahnig, wo die alle gesammelt wurden – den Bauernhof, das Heim, der Hof, die Tiere ... Die Ernte, die Vorräte, das war alles.

00:09:45: Fast in Sicht, nee.

00:09:46: Aber man hatte keinen Zugang mehr.

00:09:48: Dieses Nicht-Wissen hat man kein Zugang.

00:09:50: wie geht es weiter?

00:09:51: Trifft man sich wieder?

00:09:52: Kommt mal wieder zusammen!

00:09:54: Mein Opa kam dann sehr viel später.

00:09:57: Er ist geflohen und kam nach Hause und hat festgestellt die sind weg Und musste sich dann durchfragen wo sind sie hingekommen?

00:10:04: Er stand wohl nachts gelaufen.

00:10:06: Tags hat er sich versteckt weil er ja noch Angst hat.

00:10:08: er wird wieder zurück transportiert ins Lager oder wenn er erwischt wird vielleicht erschossen kam so Stück für Stück über Österreich und immer wieder mit Arbeitsaufenthalten, dass er überhaupt durchkommt.

00:10:18: Irgendwann dann auch hierher und hat seine Familie wieder gefunden.

00:10:21: aber das war ja nicht selbstverständlich.

00:10:23: Vor allem wussten die ja gar nicht wo es überhaupt landen.

00:10:26: Die sind wohl drei Tage lang wenn die Erzählungen stimmen.

00:10:28: Mit Viva Gongs wurden sie dort abgeholt Durch Deutschland durchgekart, drei Tage immer irgendwo stehen geblieben mal und keiner hatte irgendeine Vorstellung wo sie letztendlich landen.

00:10:39: Was mit ihnen passiert?

00:10:40: Also vielleicht passiert da was Schlimmes und Sie werden gefangen genommen oder vielleicht sogar erschossen?

00:10:45: Keiner hatte eine Idee das hat man denn nicht gesagt!

00:10:47: Also eure beiden Familien kam aus Ungarn.

00:10:50: Und wie war es bei dir Andrea?

00:10:51: Bei mir ist es zweigeteilt.

00:10:53: die Mutter kommt aus Dresden also die Oma musste in dieser Feuernacht aus Dresden fliehen, also das Haus wurde ausgebompt und die sind dann die Elbe entlang geflüchtet auch Richtung Osten.

00:11:06: Und sie haben den Schwäbnitz untergekommen.

00:11:08: Das war aber russisch besetzt.

00:11:10: Völliges Chaos muss der Kerst sein!

00:11:12: Also das ist mütterlicherseits passiert.

00:11:14: Mein Opa, der hatte wohl eine relativ gute Stellung, weil er halt wirklich schwäbisch gesagt gescheitelt war und gut übersetzen konnte sowohl ins Englische als auch ins Russische, konnte er sich raussuchen ob er nach Herrenberg oder nach Nürtingen kommt.

00:11:30: Und dann hat er sich wohl Ferenberg entschieden.

00:11:32: Deswegen sitze ich jetzt hier.

00:11:34: Väterlicherseits die kommen aus dem Sudetenland also ehemalige Czechoslovakiai Und die sind dann auch in Kehrhau gekommen.

00:11:43: Wie lange die dort waren, weiß mein Vater nicht mehr.

00:11:46: Aber er sagt es war dunkel und kalt.

00:11:48: Da waren drei.

00:11:49: Das was du vorher gesagt hast von Wege-Heimat verbunden... Also meine Opa hat gesagt wir sind jetzt hier.

00:11:55: Wir bauen uns jetzt hier etwas auf.

00:11:57: also er war auch Landwirt und die hatten dort im Sudetenland Meerisch Trübau hieß das diese Gegend.

00:12:05: Die hatten da wohl ein großes Gut mit Knechten und Mecken.

00:12:09: Und also die war da, die Gutsfrau.

00:12:15: Die wollte zurück, die hat gesagt wie gut ihnen da ging.

00:12:18: Also sie hing dem bis zum Tod nach... Sie musste dann selber auf der Kartoffel aggern und sich um das Vieh kümmern.

00:12:25: Also die wurden von den Besitzern zu meckten?

00:12:28: Genau!

00:12:29: Da hat sich das Verhältnis komplett umgedreht.

00:12:32: Und

00:12:32: die, die nicht Gutsbesitzer waren, die Nicht-Riesengüter hatten, die hatten doch zumindest ihr Auskommen und ihre Häuser und ihre kleine Landwirtschaft, ihre Selbstversorgung.

00:12:44: Ich glaube für die war es in anderer Form schwierig, weil sie natürlich auch alles zurückgelassen haben was sie versorgt haben.

00:12:51: Also das war bei uns immer ein großes Thema dieses Pferd zurückzulassen Das war personifiziert bis zum Ende der Name Wie groß der War?

00:13:02: Die Sachen, die einigermaßen wert hatten vergraben hat im Garten.

00:13:05: Weil man dachte, man kommt ja zurück und kann dann wieder anfangen.

00:13:09: Man konnte nicht alles mitnehmen.

00:13:10: was nimmt man mit?

00:13:11: Ich habe mir das schon oft überlegt.

00:13:12: Was würde ich mitnehmen wenn jetzt jemand zu mir kommt und sagt, ich kann zwanzig Kilometer mitnehmen und in zwei Stunden bitte auf dem Dorfplatz.

00:13:19: Ja das wird mich jetzt auch interessieren.

00:13:21: Ich

00:13:21: finde

00:13:21: es eine unvorstellbare Entscheidung.

00:13:25: Ich find da kann man auf nichts kommen.

00:13:26: Das ist etwas wo wir nicht vorbereitet sind und wenn dann will muss nicht zulassen.

00:13:31: Was ist wichtig?

00:13:32: Ich glaube, meine Großeltern haben Daunendecke.

00:13:35: Also eine Decke zum Zudecken warme Mäntel möglichst übereinander getragen kleines Geschirr zum Kochen.

00:13:41: das hatten die die zuvor durchgekommen sind wohl als Tipp gegeben denen die da noch waren.

00:13:47: wenn ihr transportiert werdet nimmt irgendwie was mit wo ihr nicht super kochen könnt.

00:13:52: ihr werdet nicht versorgt.

00:13:53: einfach einen Topf wo man etwas draus essen kann und ich glaube die haben sich daran orientiert.

00:13:58: Was brauchen wir für unsere Kinder jetzt?

00:14:00: Man braucht einen Besteck, man braucht ein Teller.

00:14:02: Man braucht nichts Gutes Porzellanen!

00:14:04: Und wo

00:14:05: ist deine Familie da nochmal hingereist und hat geguckt ob das dann noch vergraben

00:14:08: liegt?

00:14:09: Es war ja dann schwierig weil halt Ungarn dann durch den Eisernen Vorhalt dicht war.

00:14:13: Meine Eltern und die Großeltern sind später schon nochmal zurück in den Sechzigern.

00:14:18: Wir sind dann immer wieder dorthin gegangen.

00:14:19: Das Grundstück gibt's noch es steht das Haus nicht mehr drauf.

00:14:23: Wir wissen noch, wo das war.

00:14:24: Und mein Großvater und meine Großmutter haben immer drunter glitten, dass jemand gekriegt hat, jemand wurde dazu geteilt, es wurde ihnen erzählt, der das sehr vorkommen lassen hatte, die

00:14:35: zu

00:14:35: keinem Bezug zur Landwirtschaft hatte und der das nicht geschätzt hat.

00:14:40: Das hat die geschmerzt bis in Tod.

00:14:42: Dass das was sie aufbaut haben, das ist, wo Sie sich so gesehen haben wieder zurückzukommen, wieder das zu beleben, dass das zerfällt.

00:14:49: Dass jemand das kriegt, der gar nicht will, dass es weiter besteht oder gar nichts dazu tut und Sie verlieren es ohne jegliche Einflussmöglichkeit.

00:14:57: Ich glaube, das war ein wahnsinniger Schmerz der da dahinter gesteckt hat so einen Verlust zu tragen.

00:15:02: Und lange in der Schwebe zu sein kann man.

00:15:04: zurückfinden.

00:15:05: wir uns alle wieder.

00:15:06: wo werden wir uns niederlassen?

00:15:07: Meinst du die Menschen gut mit uns?

00:15:10: wie geht's uns da?

00:15:11: also ich glaube das war eine unglaubliche Triebfäder.

00:15:13: aber auch dieser Verluste und dieser Schmerzen sich wieder was aufzubauen als dann klar war man kommt jetzt erst mal nicht zurück sich wieder eine Existenz aufzubauen und wieder für sich zu sorgen.

00:15:24: Die waren katholisch, wirklich stark-katholische.

00:15:27: die ganze Gemeinde damals.

00:15:28: Das Maria Garling war sehr katholisch.

00:15:31: Und als sie hierher kamen, kamen Sie in protestantische...

00:15:34: Hier gab es kaum Katholiken genau!

00:15:36: Ich glaube das war das was blieb.

00:15:39: also alles war weg Haushof war weg familiäre Bindungen waren weg weil die in unterschiedliche Gegenden versprengt waren.

00:15:45: die Gemeinschaft im Dorf die immer sehr eng war war weg.

00:15:49: Und das, was man noch hatte und es was einem Hoffnung gab oder irgendwie noch Halt gab war der Glaube.

00:15:55: Die Rituale.

00:15:56: da wurde auch in den ersten Jahren eine katholische Kirche aufgebaut.

00:15:59: dann also meine Mutter hat dann den Erschubron gelebt.

00:16:02: Das wurde wirklich mit den Händen im Steinbruch gebrochen Mit geliehenen Wägen dann transportiert wohl die Grube ausgegraben von Hand.

00:16:10: Die ganzen vertriebenen Familien mit ihren Kindern haben sich da wohl eingebracht.

00:16:15: Das war eine sehr, sehr große Identifikation mit den Häusern.

00:16:18: Die hier zum Beispiel im Vogelsang.

00:16:19: Wir sitzen jetzt in der Umgangssiedlung.

00:16:22: Das ist eine vertriebenen Siedlung die ermöglicht wurde weil es einfach kein Wohnraum mehr gibt.

00:16:26: Da hat man gesagt man muss irgendwie was tun und dann wurden hier halt die Grundstücke zur Verfügung gestellt mit verschiedenen Unterstützungsmöglichkeiten halt bebaut und ich glaube, das hat einen unglaublichen Wert.

00:16:36: Das war wieder Zukunftsperspektive und es waren schlichte Häuser kleine Häuser wenig Wohnfläche aber es gab immer ein Garten dazu wo man sich selber versorgen konnte, wo man Tiere halten konnte und das hatte wieder so'n bisschen eine Ähnlichkeit mit dem was man zuhause hatte.

00:16:50: Und man hatte hier die Gemeinschaft allen ging's gleich alle waren Entwurzelte.

00:16:55: Man hat diesen Kreditkrieg über zwanzigtausend Mark, so viel hat dann das Haus mit Grundstücke kostet mehr oder weniger.

00:17:00: die meisten haben sein eigenes Ski gebaut und es war so dass sich jeder so ein kleines Stück in Heimat geschaffen hat.

00:17:06: alle hatten einen kleinen Stall dabei.

00:17:09: wir hatten einen Hühnerstall Wir hatten Enten wir hatten Hasen wir hatte einen Hund Und wir haben alle einmal im Jahr zusammen mit Nachbarn oder bekannten Schweinen gekauft, das man dann selber geschlachtet hat.

00:17:24: Man selber Fleisch und Wurst und Süße gemacht hat.

00:17:28: Für meinen Vater war es das Schlimmste der musste weil's keine anderen Arbeitsmöglichkeiten gab.

00:17:32: Der musste zum Daimler gehen Mercedes-Benz nach Sindelfingen.

00:17:36: Das war die einzige Möglichkeit ein Spand dort schichten Und das war für meinen Vater die Hölle.

00:17:41: Der hat sich da nie wohlgefühlt, er hat ein gutes Geld verdient.

00:17:44: Er hatte fünf Kinder, musste irgendwie aushalten.

00:17:47: aber es war für ihn so schlimm dort zu arbeiten dass er gesagt hat, er wird ja nicht alt, er hält sein nicht aus und ist dann immer so oft wie möglich zu seinen Brüdern gefahren die denn alle seine Brüder sind wieder zurück ins Brogenland in Neu-Siedlersee, haben dort wieder Landwirtschaft aufgebaut.

00:18:03: Und weil meine Mutter das nicht wollte, blieb er hier, hat sich aber nie wohlgefühlt.

00:18:08: Hat sich immer noch gut gefühlt als er bei seinen Geschwistern war und dort wieder eine Landwirtschaft mithelfen konnte.

00:18:14: War diese Vogelsangensiedlung, waren das hauptsächlich aus Ungarn vertrieben oder?

00:18:20: Gemischt!

00:18:20: Es war

00:18:21: gemischt.

00:18:22: Zudem Deutsche kenne ich auch viele und aus der jugoslawischen Ecke damals...

00:18:27: Donau-Schwaben, viele aus Schorrockschraben

00:18:30: und der Pest.

00:18:31: Meine Mutter wusste noch, weil meine Großeltern mütterlicherseits in ihrem Alzertal klandete auf der Hofstraße und die wussten, dass das verlost wurde.

00:18:40: Und dann hat sich meine Ausgleiche... Wir haben dieses Haus an der Ecke Hofstraßen gekriegt oder Landwirtschaft Der mischt auch von der Haus.

00:18:49: War jetzt nicht so tolle, aber...

00:18:50: Das wurde verlosse Grundstücke worden verloszt?

00:18:52: Anscheinend!

00:18:53: Also im Allzertal zumindest.

00:18:54: Aber es war schon das Allzental und glaube auch Schwarzwald-Siedlung

00:18:58: unvogelsam.

00:18:59: Die gab's davor nicht diese drei Siedlungen.

00:19:01: Ich glaub schwarzwald siedlung gehört auch dazu.

00:19:03: Ich glaube auch ja.

00:19:04: Ja hier das war das erste Gebietes hat angeschlossen an die so dreißig dreientreißig gebauten Häuser Und eigentlich war es eine recht feuchte Gegend hier.

00:19:13: Und wäre nicht bebaut worden, wenn man nicht Wohnraum gebraucht hätte.

00:19:17: und dann wurden eben damit das möglichst günstig läuft, wurden Leute beauftragt die einen ganz einfachen Typ Haus bauen.

00:19:24: Das hat den Namen ich glaube neunhundertzwanzig A. So ein Standardtyp.

00:19:29: deswegen hatten die hier alle und das sieht man zum Teil bis heute, achtzig Jahre später gleiche Haustürm Gleiche Eingangsfronten.

00:19:38: Jägerzahn war vorgeschrieben, hinterm Haus noch ein Schuppen und Stall für das Vieh, das man hatte.

00:19:44: Die Rahmenaufteilung war die gleiche.

00:19:46: also man hat sogar so gebaut dass wenn wir die Treppe hoch kam in diesen ersten Häusern, dass man das erste Zimmer auch durch das Treppenhaus nicht... Zugangstür machen kann, falls man ein Paar ohne Kinder noch unterbringen muss.

00:19:58: Dann wäre das dieses Zimmer mit freiem Zugang gewesen und es war alles extrem beengt.

00:20:02: also wenn man sich heute vorstellt in den Häusern haben zwei Familien gewohnt mit mehreren Kindern kann man fast nicht glauben.

00:20:08: Das waren winzige Zimmer.

00:20:10: Grundfläche vom Erdgeschoss ungefähr forty-fünf Quadratmeter da haben fünfköpfige Familien drin wohnt Obergeschoss nochmal, mit Dachschräge ohne Bart.

00:20:21: Und man musste weiß nicht ob das bei euch so war.

00:20:23: also so viel ich weiß war so die mussten obwohl meine Eltern damals schon vier Kinder hatten.

00:20:30: als ich dann auf die Welt kam mussten sie raus mussten die andere Leute aufnehmen.

00:20:35: es war Bedingung und erst als ich denn auf die welt kamen dreiundsechzig als fünftes Kind sind die den ausgezogen weil er dann mehr Platz gebraucht hat.

00:20:43: Wieder mütterlicherseits, die sind wohl auch eher schon der Erhardtstraße gelandet.

00:20:48: Vier Kinder insgesamt fünf Personen, die dann auch untergebracht wurden bei einer Familie bis das Haus stand in der Hofstrasse.

00:20:57: Das ist was Berbel

00:20:58: auch sagt?

00:20:59: Jetzt käme jemand zu uns hier an dieses schöne Haus und würde sagen nach guter alter Tradition jetzt setzt man dir eine Flüchtlingsfamilie in dein Haus und du musst sie aufnehmen!

00:21:10: Und man muss sagen, die haben damals zwar ... Die waren ja deutschstämmig.

00:21:14: Die haben auch alle bei einer Volkszählung deutsche Sprache angekreuzt, weil deswegen mussten sie gehen hätten.

00:21:20: Also das hat unser Nachbar gegenüber immer erzählt, der kann uns schauen.

00:21:23: Der hat gesagt es gab Jahre zuvor eine Volkszählung.

00:21:28: Wer halt ungerisch angekreuzt hatte durfte oft bleiben und die anderen nicht.

00:21:33: aber das war ein deutschsprachige Gemeinden, die über Jahrzehnte dort angesiedelt über zwei Jahrhunderte eigentlich dort an.

00:21:40: Sessig, die haben ihre deutschstimmige Kultur noch tradiert.

00:21:44: Die kamen dann hierher natürlich ein bisschen in Vorteil wenn man Deutsch konnte aber sie waren trotzdem fremd.

00:21:51: sehr viele katholisch.

00:21:53: Meine Oma hatte Kopftuch.

00:21:54: Das war üblich in die Kirche mit Kopftuchen, die haben gearbeitet.

00:21:58: Die sind aus dem Haus mit Kopfftuch, das war einfach Tradition.

00:22:02: Das ist sehr fremd.

00:22:03: Die Männer hatten meist Hüte auf und das war auch Standard?

00:22:06: Ja genau.

00:22:07: Es

00:22:07: waren noch ein bisschen wie aus einer anderen Zeit.

00:22:09: Der Bärbel

00:22:10: sagt ... In ihrem Klangporträt, wie sich das angefühlt hat,

00:22:15: das wissen wir noch mal rein.

00:22:17: Frisch muss man doch nicht recht werden so die Eltern.

00:22:20: Also gar nicht!

00:22:22: Ich kenne mich nicht in den Sinn.

00:22:23: Da hat man lang zu der Oma sie gesagt, oder ihr ... Oma hin ihr?

00:22:28: Meine Eltern haben sich da entsetzt, wie alle zu der Großmutter, die du sagst.

00:22:33: Das war bei uns fahrtestens.

00:22:35: Vielleicht sind wir da ein wenig hinterhergewehrt.

00:22:37: Wie soll ich das jetzt erklären?

00:22:39: Man war erfürchtig!

00:22:41: Also was er sich nicht gehört hat, das hat dann schon immer geprägt und vielleicht durch das, dass man sich in Deutschland so anpassen muss.

00:22:50: Wolle auch, dass man ja nicht aneckt.

00:22:53: Ist das eigentlich immer auch das Größer?

00:22:56: Wenn man durch den Fleckergarten oder in die Schulgarte sagt und zu alles Schöneres geht... Das gehört auch dazu!

00:23:00: Daheim!

00:23:01: Da hat man gelobt sei Jesus Christus gesagt immer.

00:23:05: In Schmerz und Leiden, Freudung.

00:23:23: Also vielleicht sind wir da ein wenig hinter deiner Quer?

00:23:25: Absolut!

00:23:26: Es ist auch so dass ich manchmal das gar nicht gefasst krieg was in der Zeit wo ich klein war also ich habe zu Hause gelebt hier im Vogelsang bei meinen Eltern bis ich zwanzig war.

00:23:36: diese Zeit in diesen ersten zwanzigeren die kriege ich gar nicht mehr an meinem Bewusstsein wie es jetzt vergleicht wie wir jetzt leben so viel ist ja da gar nicht vergangen.

00:23:45: zweiundvierzig Jahre genau Da hat sich so viel verändert, also nicht nur in der ganzen technischen Entwicklung weltweit sondern allein durch dieses Brauchtum was die gelebt haben.

00:23:54: Das war wirklich aus der Zeit gefallen das war eine andere Welt und damit

00:24:00: fielst du ja auch

00:24:02: auf?

00:24:03: Ja, es ist aufgefallen.

00:24:04: viele dachten auch weiß ich noch mein Vater war relativ alt er war ein viertes oder zweieinvierzig dachte vieles an meinen Opa weil er auch so alten grauen Mantel grauer Hut Und ganz anders, wie die Leute ... Kann man sich nicht mehr vorstellen.

00:24:19: Die deutsche Sprache wird noch anders

00:24:20: gesprochen sein?

00:24:21: Ja!

00:24:21: Österreichisch.

00:24:24: Wie Sie jetzt im Bogenland sprechen, so haben sie gesprochen.

00:24:27: Kannst

00:24:27: du das?

00:24:28: Kannst Du es so sprichchen?

00:24:29: Ich kann's mit meinen Geschwistern reden, jetzt so ein Topf bringe ichs net hin.

00:24:33: Schade!

00:24:34: Wenn ich

00:24:34: mit meinen geschwisternen rede dann können wir manchmal nur solche Sätze raushauen, dass er bisschen wie wienerisch eher so bogenländisch ist.

00:24:41: Wenn ich in Österreich oder Bayern bin fühle ich mich eher tatsächlich beheimateter und fühl mich wohl wegen der Sprache, weil die einfach der Sprach ähnelt, die meine Eltern gesprochen haben.

00:24:52: Das Schwäbische das ist überhaupt nicht meins.

00:24:54: Ich rede selber schwäbisch jetzt aber ich fühle mich in dieser österreichischen Sprache da fühlt mich eher beheimadet und wohl.

00:25:02: Aber das ist ja eigentlich auch kein Wunder, weil deine Eltern beide aus dem Sprachraum kamen oder aus dem Kulturraum, der eng mit den Bodenländischen zusammenhängt.

00:25:10: Weil es ja auch immer mal wieder eine Grenzverschiebung gab und das mal zu Ungarn, mal zu Österreich gar nicht.

00:25:14: Weil nur zwei Kilometer hinter die Grenze?

00:25:16: Das ist ja vielleicht...

00:25:17: Die war ja ein Kind als sie herkam und die hat

00:25:20: dann

00:25:20: einen Schwäbisch

00:25:21: geheiratet.

00:25:22: Der hatte einen schwäbischen Einfluss in die

00:25:24: Sprache.

00:25:24: Und wenn er mit meiner Oma gesprochen würde, Die Sprache.

00:25:28: Nimm dein Bingle mit,

00:25:30: das

00:25:31: waren einfach andere Worte, das war ein anderer Klang.

00:25:33: Das war sein Staat!

00:25:35: Und der Köfer und der Vater oder die Eleventen, wenn sie noch beinahe waren, dann haben wir gesagt... Wie

00:25:53: geht es auch so, dass ich das schön finde inzwischen zu hören?

00:25:56: Man versteht.

00:25:57: Man kann's nicht mehr gut sprechen weil man hat nie so gesprochen.

00:26:00: aber dieses Vertraute die Leute hier im Viertel haben alle so gesprochen Die allermeisten.

00:26:05: Weil.

00:26:05: das war ja dann wie heute wird man sagen ein Quartier für diese Vertriebenen und hier gab es mehrere Läden.

00:26:11: Hier gab es Verkauf von Bäckerwarn aus dem Fenster.

00:26:15: Genau

00:26:15: Es gab einen Metzger Ein Bäcker, es gab einen normalen Lebensmittelladen.

00:26:21: Jetzt gibt's da gar nix mehr.

00:26:22: Also, da gabs drei oder vier Läden...

00:26:25: Und das hast du halt als Kind extrem miterlebt?

00:26:28: Ich hab da immer meine Freundchen geholt!

00:26:30: Deswegen hast du dich daheimisch gefühlt und dann hast du nur das Gehör nochmal zu dieser Siedlung.

00:26:34: vielleicht im Stadtarchiv steht, dass sie beim Richtfest, also neunvierzig, als die ersten fünf Doppelhaushälften hier standen oder die ersten Fünftoppelhäuser mit je vier Wohnungen wurde genannt.

00:26:46: Es ist ein freies und schönes Wohnen dort außen.

00:26:50: Also für die Herrenfrage war es wirklich da raus, man war unter sich.

00:26:55: Und frei und schön war sicherlich nicht das Lebensgefühl des Wohngefühls, dass die Familien hier hatten, bisschen weit ab von der Stadt.

00:27:01: Man hat dann doch nicht so dazugehört bis man irgendwann sich integriert hat.

00:27:06: Ich denke, das ist auch das was ich mein Heimatfinden braucht Zeit.

00:27:10: Das geht in die nächste Generation oder vielleicht auch in die übernächste.

00:27:13: Jetzt ist es so.

00:27:14: Jetzt haben wir hier ein schönes Leben in den Häusern, die mit Verlustgefühl, Schmerz und Trauer gebaut wurden als Alternative, weil man keine andere hatte?

00:27:24: Ich

00:27:25: konnte ja nicht mehr zurück hier.

00:27:26: Wir haben mir auch vor sechzehn-sehnten Jahren einen Haus gesucht und da gab's auch hier Möglichkeiten, ein Haus zu kaufen.

00:27:33: Und ich bin ja hier groß geworden in dieser Siedlung – ich konnte es nicht!

00:27:36: Es war für mich so besetzt mit diesem alten Familienheimatgefühl mit dieser Zeit.

00:27:43: Ich konnte das nicht mehr aufwärmen.

00:27:44: Das war für mich ganz komisch, ich musste woanderschenen.

00:27:47: Obwohl es hier schöne Häuser gegeben hätte, ich konnte hier nicht mehr wohnen.

00:27:51: Also die Assoziation war schon positiv zu meiner Kindheit, zu meinen Eltern und zu meinem Geschwistern.

00:27:57: Große Familie, gutes Essen immer... Aber es war geprägt von meinem Vater seinen Erzählungen vom Krieg, wo klar war er hat's nie so ausgesprochen aber es war klar es ging um viel Angst.

00:28:09: Hat auch meine Mutter später erzählt als mein Vater schon toll war.

00:28:13: Mein Vater hatte viel Angst in Träumen, hat geschrien.

00:28:17: Konnt er nicht schlafen?

00:28:18: Er hat das im Krieg eher verklärt und hat es positiv besetzt auf mein Gebergt.

00:28:23: Er hat eigentlich drunter gelitten... Aber er hat dir

00:28:26: nicht persönlich davon erzählt!

00:28:27: Das ist ja eine Frage die immer im Raum steht Wie offen und wie ehrlich hat man darüber was erfahren?

00:28:34: Er habe vom Krieg erzählt aber er hat's eher glorifiziert.

00:28:38: Retrospektiv wenn ich mir das reflektiere war es spürbar Es war nicht so, wie er es erzählt hat.

00:28:45: Da ging so viel Schmerz und Leid und Angst und Trauer.

00:28:49: Das war ja spürbar atmosphärisch.

00:28:52: Und von daher war's schon eher schwierig besetzt.

00:28:54: also dieses Gefühl hier wieder zu leben für mich zumindest?

00:28:58: Ich glaube das tragen wir auch alle ein Stück weit in uns.

00:29:01: Also ist es eigentlich nicht möglich dass diese ganze traumatische Erfahrung dieser Verluster-Heimat dessen was vertraut war ein Leben mit unerfüllten Wünschen, sicherlich mit Verzicht.

00:29:16: Mit einer anderen Position und eine andere Rolle, mit einem aufgezwungenen Arbeitsleben, das man eigentlich ja nicht

00:29:24: wollte...

00:29:26: bleibt ja in einem.

00:29:27: und ich denke, das trägt sich auch weiter.

00:29:29: Also ich glaube wir sind nicht denkbar ohne diese Erfahrung unserer Eltern und wir haben Gott sei Dank andere Möglichkeiten heute und können das reflektieren.

00:29:38: aber irgendwie steckt es ja in uns drin.

00:29:41: Das hast du schön gesagt!

00:29:43: Wir sind vor zwei Jahren wieder nach Herrenberg gezogen und wohnen jetzt in der Bismarckstraße.

00:29:49: Und dann irgendwann ist mir eingefallen, ich bin in Herrenberg im Alzertal im alte Krankenhaus geboren.

00:29:54: Ich bin an der Erhardt-Straße im Alztertal in Kindergarten gegangen.

00:29:58: Ich habe mich in die Pfalzkraftruder Schule, in die Grundschule gegangen, dann im Schickhart-Gymnasium – das war es alzertals!

00:30:06: Jetzt zurück!

00:30:08: Wieder im Alztetal.

00:30:09: Ich werde da auch stolpe und jetzt frisch.

00:30:12: gestern war ich beim Zahnarzt, auch wieder im Alzetal, liegt da auf diesem Schrage, guckt diese Lampe an und denkt, das Ding ist sechzig Jahre alt!

00:30:22: Dann dachte ich ja, es ist Heimat.

00:30:26: Also mir geht's ganz anders wie dir, Michael.

00:30:28: Ich genieße das wenn ich alte Wege gehe und denke, das ist schwer wirklich zu heimkommen.

00:30:34: Mir geht das Herz auf...

00:30:35: Das liegt daran dass Michael wahrscheinlich immer gehört hat, wieder heim, wieder weg.

00:30:40: Wie war das dann bei dir?

00:30:41: Väterlicherseits wurde ich gar nicht trüblich gesprochen was mein Opa im Krieg erlebt hat.

00:30:46: Der war drauf, wir sind jetzt hier, wir packen einen, wir bauen auf.

00:30:49: also er war auch Landwirt während meine Oma, da er melancholisch war oder nachgetraut hat.

00:30:56: Und mütterlicherseits, das ganze Gegenteil, Akademikerfamilie.

00:31:01: Mein Opa hat gesagt wir packen einen und er hat in viele Töpfe gerührt.

00:31:05: Drogratische Töpfel eher weniger antwortlich.

00:31:08: Von daher habe ich von beides Säute eigentlich eine gute Sache mitkriegt, körperliche Schaffen... als auch der Intellekt vielleicht.

00:31:15: Und da bin ich sehr dankbar,

00:31:18: hier zu bleiben und zu sagen Ich ernecke meine gleichen Wege und ich

00:31:21: über sie.

00:31:22: Genau!

00:31:22: Ich bin so dankbar dass ich hier sein darf Also Ostdeutschland, das war viel Thema.

00:31:28: Bis dann die Mauer fiel also... Das hat mich als Kind beschäftigt mit der Mauer und dass wir ja Verwandtschaft haben noch viel trüben in Bozen vor allem in Berlin und auch Dresden.

00:31:39: Jedes Mal wenn sie da waren und die dann gestaunt haben was wir dann alles haben oder wenn meine Mutter Päckle packt hat mit Kaffee und Bananen oder keine Ahnung Feinstrumfose glaube ich war.

00:31:50: Das war ganz wichtig habe immer dachte wieso haben die das nicht?

00:31:53: Da hatte schon das Gefühl Ich bin so dankbar.

00:31:57: Also wie gut es mir geht!

00:31:58: Ganz kurz dazu, das ist mir jetzt gerade bewusst geworden.

00:32:01: tatsächlich... ich frage mich erständig warum habe ich nicht so ein Highwide-Gefühl?

00:32:05: Das ist jetzt eigentlich mir grad ganz deutlich geworden.

00:32:08: mein Vater wollte ja nie hier bleiben da wollte er immer wieder zurück.

00:32:11: der hat sich hier nie wirklich wohlgefühlt sondern immer nur zu Hause beziehungsweise im Bogenland bei seinen Geschwistern.

00:32:19: und ich glaube er hat man das auf irgendeine unbewusste Weise weiter vererbt.

00:32:23: Das Gefühl, ich bin hier nicht daheim.

00:32:26: Ich muss woanders hin.

00:32:28: Das Gefühl kenn' ich mein Leben lang tatsächlich.

00:32:30: Konnt's nie richtig...

00:32:31: Obwohl es die Mutter so schön fand?

00:32:33: Obwohl sie die Mutter gut fand und sich hier eingelassen hat.

00:32:36: mit allem drum und dran war das ihre Heimat.

00:32:38: aber ich glaub', ich hab da viel von meinem Vater übernommen und habe in mir drin, ich muss eigentlich woanders sein.

00:32:44: Ich krieg das nicht weg!

00:32:46: Ich muss unbedingt mit euch drauf zu sprechen kommen.

00:32:49: wie war denn der Empfang für die Vertriebenen?

00:32:53: Immer gibt es Fremdenfeindlichkeit und immer gibt es Hilfsbereitschaft.

00:32:58: Ich bin ja mit den Herrn Berger Herztöne immer zu auf der Suche, was ist das hier so Besonderes?

00:33:03: Und fragt dem Bürgermeister und fragt eine Vietnamesin die vor forty-fünf Jahren in Flucht erlebt hat.

00:33:09: und immer wieder höre ich Es ist sehr fremdenfreundlich!

00:33:13: Ich fühle mich gar nicht als müsste ich mir einen Platz erkämpfen habe.

00:33:18: jetzt zufällig genau die wird Namesin, der es hier gut geht.

00:33:23: Und genau die Polin, der sie hier mit dem Blumenladen erfischt, bin ich zufällig und treffe nur auf Menschen, die mich willkommen heißen.

00:33:32: Die sagen, das ist ein Geschenk, dass Sie jetzt von außen auf uns schauen!

00:33:35: Ist das ein Zufall?

00:33:36: Das war nicht warmherzig und wohlwolle sondern sind mit Skepsis beäugt worden.

00:33:42: Ihnen schon gezeigt, dass sie anders sind und nicht wirklich Willkommen.

00:33:48: So wie ich das rausgehört habe ... hat sich das verändert im Laufe der Jahre, als sie gesehen haben wie schaffig die sind.

00:33:55: Unsere Eltern und diese Generationen der Vertriebenen, die haben viel gearbeitet.

00:34:00: Die konnten richtig ranklotzten, haben viel geschafft.

00:34:03: Und als das ankam bei der Hörndagubevölkerung, die schaffen ja was?

00:34:07: Die sind nicht irgendwelche Schmarotzer, sondern die schaffen ihr eigenes Ding.

00:34:10: Dann hat sich es gewandelt...

00:34:12: Ich glaube auch dann hat man Akzeptanz ein Stück weit aurisch.

00:34:16: Bekt entgegen gekriegt, weil es schaffen war natürlich im Schwabenland wahnsinnig wichtig.

00:34:22: Wenn man das gut konnte, hatten wir schon mal gute Punkte gesammelt und der Transport jährt sich ja jetzt.

00:34:27: Das finde ich ja schon noch einmal wichtig.

00:34:29: Es war auch ein Grund warum wir das jetzt aufnehmen wollten, weil also an Ostern gerade vorbei hier vor achtzig Jahren gingen vier Transporte vom Zahnäger Ghetto hat man das genannt, weil das wirklich eine ganz engebferchte Wohntsituation war, wo die Familien ein halbes Jahr eingquartiert waren.

00:34:49: Unter engsten schlechtesten Verhältnissen ohne Versorgung ging an Ostern die Transporte weg und meine Mutter ist mit dem Transporter-Karfreitag am neunzehnten April, sechsundvierzig transportiert worden.

00:35:01: das gingen paar Tage und die kamen am Ostersonntag glaube ich an also drei vier Tage waren sie unterwegs.

00:35:07: dann gab es dieses Kehrer oder zwischen?

00:35:10: Dann wurde man entlaust und wurde dort registriert.

00:35:13: Und dann nach wenigen Tagen kam man auf irgendwelche Dorfplätze, Rathaus-Plätze, Marktplätze ... Und das sagt meine Mutter, die das als Siebenjährige erlebt hat.

00:35:23: Diese Ablehnung würde sie heute noch spüren, wo die Leute da standen und wussten, sie müssen jetzt Familien aufnehmen.

00:35:29: Dann wurden wir aufgerufen und zugeteilt.

00:35:31: Und es gab schon auch ablehnende Kommentare nicht nur die Gesichter zu erleben.

00:35:38: Man ist entrechtet Entwurzelt, man weiß nicht wie es weitergeht.

00:35:43: Man ist entkräftet wahrscheinlich auch nach dem, man ist traumatisiert und steht dann und wird jemand zugeteilt.

00:35:50: Man

00:35:50: wird ausgewählt oder nicht?

00:35:51: Da gab's wohl auch eine Familie mit vier Kindern nämlich, ne auf gar keinen Fall.

00:35:57: Also diese Ablehnungswelle die haben da entgegenschluckt das ist heute noch ganz arg spürbar.

00:36:02: für die seien sie noch so junge Kinder gewesen und für die Leute die was hatten muss das genauso fürchterlich, wenn ich mir das heute vorstelle, kriege eine Gänsehaut.

00:36:13: Ich

00:36:14: meine, Sie wurden ja bestraft dafür dass das Nazi Deutschland besiegt wurde aber die die hier waren Gehörten ja genauso als Deutsche zum Nazi-Deutschern.

00:36:24: Also wurde unterteilt in zwei Kategorien?

00:36:27: Ja, zwei Klassengesellschaften.

00:36:29: Und sie hatten keine Wahl!

00:36:31: Sie wurden doppelt entrechtet eigentlich.

00:36:34: Zu Hause mussten sie gehen und hier wollten sie nie hin.

00:36:37: Da wollte sie aber auch keiner haben.

00:36:39: Das hat sich verändert glaube ich auch.

00:36:41: so haben es meine Großeltern auch erzählt.

00:36:43: dann kam ein Stolz dazu nach ein paar Jahren sich wirklich... Alles vom Munde absparen, sich anpassen.

00:36:50: Steine irgendwo, Trümmersteine klopfen transportieren mit denen ein Haus aufbauen eine Grube aus Graben von Keller dieses wirklich dieses unbedingt wollen irgendwo wieder anzukommen irgendwo wieder was eigenes zu haben das hat glaub schon auch Eindruck geschaffen oder vielleicht das Recht wieder eingegeben.

00:37:08: also ich glaube das ist etwas was in vielen steckt vielleicht nicht in allen auch wieder sehr individuell.

00:37:12: aber ich glaube schon dass dieses Wir müssen hier ganz gut sein, wir müssen uns hier einbringen.

00:37:17: Wir dürfen nicht negativ ausfallen.

00:37:18: Bitte angepasst sein!

00:37:20: Bitte freundlich sein bitte hier grüßen bitte unbedingt sich anpassen wollen und müssen damit man akzeptiert ist dass man recht zum bleiben hat weil man kann ja nur ins hin.

00:37:30: das steckt glaube ich ganz arg vielen von uns vertriebenen Kindern in den Knochen und im Verhalten Hat man Recht?

00:37:37: Hier zu sein muss man sich das verdienen.

00:37:40: Ja, auch zum Beispiel.

00:37:41: War ja ganz schlimm, wenn sich jemand verliebt hat in einem Flüchtling.

00:37:44: Bloß

00:37:44: nicht in einen Flüchtlingen.

00:37:45: Das bringen wir bloß kein Flüchtlingsheim.

00:37:48: Wer hat heute jemand gesagt?

00:37:49: Sie waren drei Jungs und sie waren ewig in der Sechzigerjahre noch bis in die SiebzigerJahre!

00:37:54: Die Flüchtlingsbube, man hat ja auch nicht gesprochen von den individuellen Namen.

00:37:59: Das waren die drei Flüchtling-Buber vor denen.

00:38:01: Also das war sehr lang ein Status der markiert war.

00:38:06: Man musste Probe arbeiten, sagt meine Mutter.

00:38:09: Einige, die sich dann eigentlich verliebt haben in Einheimische ... Da haben die Schwiegereltern sie kommen lassen.

00:38:14: Wir haben erst mal geguckt, ob diese Schwiegertochter, diese vertriebene Flüchtlingsmädel überhaupt schaffen können?

00:38:20: Wenn die eine Woche Probe gearbeitet hat, dann hat man sich das überlegt, ob man dem Sohn gestattet.

00:38:25: Diese Demütigung kann man sich heute nicht mehr vorstellen und es ist schön, dass wir das alle nicht mehr erleben.

00:38:30: Dass wir jetzt in Herrnberg sein dürfen und Arme aufmachen dürfen und Leute auch Fremde, die aus ganz anderen Gründen vielleicht ihre Heimat verlassen müssen vielleicht auch wollen, aber ich glaube niemand verlässt sein Heimatkern.

00:38:42: Das wird die jetzt anders aufnehmen?

00:38:45: Ich glaube das ist vielleicht die Lehre aus dieser ganzen Geschichte.

00:38:47: Genau

00:38:48: wir nehmen sie anders auf.

00:38:49: Aber glaubt ihr nicht dass Herrenberg deshalb so eine warme Stadt geworden ist weil wir halt so ein zusammengewürfelter Haufen sind?

00:38:59: Ja

00:38:59: was glaube ich.

00:39:01: Was aus diesem

00:39:02: schlechten Entführungszeichen etwas Gutes entstande?

00:39:06: Also das bin ich schon der Meinung und dass es uns ausmacht.

00:39:10: Ich meine, letztendlich ist jetzt so von dieser Mischung nichts mehr negativ übrig geblieben, spürbar, dass man sagt, das sind jetzt Herndäger!

00:39:19: Das sind Leute aus Ungarn oder aus Tschechien oder sonst irgendwo her... Dass wir da als Unterschiede machen.

00:39:25: Man sieht's euch ja

00:39:26: auch nicht mehr an.

00:39:27: Also,

00:39:28: ja.

00:39:29: Sie

00:39:30: sehen uns jetzt mittlerweile auch so an wie Uhrhörnberger oder Zübinger.

00:39:36: Das ist kein Unterschied mehr.

00:39:37: Früher war es sichtbar.

00:39:39: Da gibt's keinen... Spürbahnunterschied mehr.

00:39:42: Ne, aber es gibt so einen Freude-Effekt bei mir immer... Wenn ich so dann plötzlich drüber stolper jetzt auch so... Ach du auch?

00:39:49: Deine Mutter, dein Vater!

00:39:51: Auch aus Garlinge, auch aus Zahnigge, auch von

00:39:54: Verbundenheit.

00:39:55: Das

00:39:55: ist dann irgendwie so ein bisschen eine Verbundheit finde ich.

00:39:58: Also bei mir löst das zumindest schon aus mit diesem Gleichsozialisiert, gleiches Dialekt gehört.

00:40:05: Auch in der Jugend immer in der katholischen Kirche gewesen bei jedem Gottesdienst auch ministriert.

00:40:11: Bei den Pfadfindern waren viele von diesen vertriebenen Kindern dann bei dem Pfadfinder organisiert und die haben sich in den Siebzigern hochpolitisiert und waren hier ganz treibend für viele soziale.

00:40:22: Geschehnisse mit dabei.

00:40:24: und ich glaube über diese Generation, deswegen habe ich vorher gemeint, Heimat empfinden braucht Zeit.

00:40:30: Ich glaube das passiert mit der nächsten Generation?

00:40:34: Also ich glaube auch an unserer Kirche merkt man's arg.

00:40:38: also wir sind ja alle Katholiken und in unserer Kirchen hab' ich immer wieder erlebt bei diversen Festen wenn wir Gäste aus dem Bundesdeutschen... Aus anderen Bundesländern hatten die dann immer was erstaunt waren, wie bei uns ein Gottesdienst abläuft.

00:40:56: Also dass wir zum Beispiel nicht mehr hinknien, das da auch ab und zu mal eine Band spielt, zumindest bei meiner Kommunion und des Achtung-Ninzehn-Zwei-Siebzig hat schon eine Band gespielt.

00:41:06: Helios!

00:41:08: Das war eine kleine Sensation.

00:41:10: Und als ich dann also so lange ist es noch nicht her, mein Mann ist Hesse, als ich da im Gottesdienst war habe ich gedacht... Buchstäblich um Himmels Willen.

00:41:18: Die steifer alle!

00:41:19: Das sind ja im tiefsten Vatikan, auch da hat sich so viel getan in der Kirche wo ich denke wir sind weltoffen geworden.

00:41:28: Vielleicht gibt es Ihnen ja den Herrn Berger Herzschlag viele kommen zurück.

00:41:32: also ich kenne das in meinem Freundeskreis sehr Wenn man hier zur Schule gegangen ist, erst mal danach weggegangen und dann kommt man wieder.

00:41:39: Wenn man Kinder kriegt spätestens, kommt man wider.

00:41:42: Und es ist ein guter Platz.

00:41:43: Es gibt viele gute Plätze auf der Welt ja?

00:41:45: Aber Hörnberg ist auf jeden Fall einer davon finde ich und das ist von der Größe so dass man sich über den Weg läuft.

00:41:51: Man kommt gar nicht umhin!

00:41:52: Es hat ja Oman Kliss auch gerade sehr ausgeführt, der weltweit agiert und sagt Herrenberg ist episch.

00:41:59: Herrenberg is der Ort mit dem er wirklich verbunden ist real and human.

00:42:05: Und das empfinde ich hier auch so.

00:42:08: Zurück zu dieser Familiengeschichte Auch wenn der Anfang schwer war.

00:42:12: Deine Mutter hat ja erzählt, dass sie im Verein auch drin war.

00:42:16: Ich weiß nicht, ob das von den vertriebenen Umgaben ausging.

00:42:19: Im Vereinsleben kommst du sehr schnell an in der Vernetzung mit anderen?

00:42:23: Am Anfang war es noch getrennt.

00:42:25: Meine Mutter gab's extra ... Hast du das vorhin erzählt?

00:42:28: Waschka-Kicker oder so?

00:42:31: Es gab schon im Fußballverein eigene ... Gruppen für die Vertriebenen.

00:42:36: Dann hat man gemerkt, sie kicken gut und dann wurde das irgendwann halt gemischt.

00:42:40: aber ich glaube nachher ging es anders.

00:42:43: Also meine Mutter ist ja hier zur Schule gegangen, die ist in Ungarn eingeschult worden und dann hat sie die erste Klasse hier wieder neu besucht.

00:42:49: und ich glaube dass Schule ein großer Integrationsort einfach ist weil Kinder können vielleicht Vorbehalte von ihren Eltern mitkriegen.

00:42:58: Sie erleben es anders, man ist einfach gemeinsam.

00:43:00: Man wächst zusammen auf und hat die gleiche Lebensphase ähnliche Interessen und das ist eine riesige Chance.

00:43:06: Und ich glaube so haben sie das erlebt.

00:43:08: Irgendwann war man junglich und hat sich für ihn einheimischen verliebt oder es gab immer mehr Mischungen und das hat gut getan der ganzen Sache.

00:43:16: Dann hat man Begegnung schafft immer Verständnis finde ich.

00:43:20: Je mehr Begegnung dann stattfindet im Verein oder in einer Sozialstruktur, da kommt man sich näher.

00:43:26: Eigentlich auch interessant weil deine Eltern ja beide aus Ungarn vertrieben wurden.

00:43:31: also die haben sich hier gefunden?

00:43:32: Oder haben sie sich dort schon gefunden?

00:43:34: Die haben sich damals zu Hause in Ungarn... Nur vom Szenen her gekannt.

00:43:39: Richtig nähergekommen sind die ersten, nachdem sie verteilt worden

00:43:41: sind.".

00:43:43: Und deine Mutter?

00:43:44: Vertrieben?

00:43:45: Die hatten einheimische Geheiratet.

00:43:47: Meine Großeltern oder vielmehr meine Eltern beide vertrieben und haben sich hier erst kennengelernt.

00:43:53: Das heißt das war ein neutrales Gebiet sozusagen also zwei Vertriebene, die sich kennengelangt haben.

00:43:59: Beide Großeltern haben wohl zugestimmt, der Landwirt und das Akademiker-Mädel.

00:44:04: Das ist ein guter Kombi!

00:44:07: Meine Eltern, die haben ja schon wie in einem Ghetto in Anfangsreichend im Vogelsang gelebt.

00:44:13: Da waren sie schon sehr bezogen und haben viel hauptsächlich mit denen gemacht.

00:44:18: Ich weiß aber weil Geld auch knapp war sind wir dann zu einem schwäbischen Bauer gekommen zum Bauerkopf, der an der Horberstraße sein Hof hatte Und haben da immer mitgeholfen auf dem Feld bei Kartoffelernte.

00:44:31: und bei allem Möglichen.

00:44:33: Und über diese Mitarbeit sind die dann auch immer mehr vernetzt worden mit den schwäbischen Ureinwohnern Herrenbergs, aber sonst gab es ja erst keine Kontakte.

00:44:42: Interessant!

00:44:43: Auch wieder beschaffen?

00:44:44: Ja,

00:44:45: haben wir etwas arbeiten müssen sich definieren.

00:44:47: Ich hatte

00:44:47: mich dem Bürgermeister gefragt was ist hier so besonders hat er gesagt.

00:44:50: Er glaubt das Herrenberg einfach nie eine Region war, die auf Rosen gebetet war.

00:44:54: Es waren nie eine Reiche geringend.

00:44:56: Man musste immer schaffen

00:44:58: man

00:44:58: musste sich immer zusammenfinden und gemeinsam.

00:45:01: Deswegen gibt es heute dreieinhalb Vereine.

00:45:04: Genau, das ist ja sehr speziell auch.

00:45:06: Ich glaube Deutschland sogar vom Verhältnis her zur Einwohnerzahl haben wir die meisten Vereine ganz Deutschland.

00:45:12: Nicht nur das

00:45:13: sondern auch bei Demonstrationen.

00:45:16: Keine Tochter!

00:45:19: Die gegen rechts die Demo organisiert mit sechseinhalb tausend Leute wo man auch dachte, da kommen vielleicht hundert Leute.

00:45:26: Und vielleicht konnte der eben durch... dass Fremde durch die vielen Fremden wachsen.

00:45:32: Und man konnte das Fremder annehmen?

00:45:34: Ich glaube, es wäre der Grundsatz, um miteinander ausständlich umzugehen.

00:45:39: Da muss ich doch auch mehr schaffen und den Menschen zuerst schon mal kennenlernen.

00:45:42: Der eine ist vielleicht ein wenig aufbrauchend, der andere ist wieder anders... ...und da muss ich aber etwas Mühe geben, damit ich dir für mich auch zurechtlege, dass wir einfach miteinander auskommen können.

00:45:52: Das ist ja gar nicht so schwer, wenn man malt!

00:45:55: Vielleicht hat man da gemerkt Oh Mensch, die können gut Fußball spielen und sie können gut arbeiten.

00:45:59: Die wollen sich integrieren.

00:46:01: Ja

00:46:01: und es ist schon ein großer Unterschied was das Ganze erleichtert hat muss man sagen?

00:46:05: Ja, das ist ja schon Unterschied.

00:46:08: Die Flüchtlinge heutzutage sprechen eine ganz andere Sprache.

00:46:11: Das waren Vertriebene, die alle die deutsche Sprache konnten.

00:46:15: Zwar mit Dialekt und ein bisschen anders... Und

00:46:17: alle wussten, dass sind Deutsche!

00:46:18: Ursprünglich Deutsche, genau.

00:46:20: Wir müssen unbedingt darauf kommen was ist der Unterschied zwischen Vertrieben zu sein?

00:46:25: ...und Flüchtlingen zu

00:46:28: sein.

00:46:29: Die Entscheidung selbst zu treffen?

00:46:30: Genau.

00:46:31: Wenn

00:46:32: ich einen Flüchtlings bin, treffe ich die Entscheidung selber.

00:46:34: Ich muss hier weg.

00:46:35: Ich kann das vielleicht auch entsprechend organisieren, aber wenn ich vertrieben bin heißt es innerhalb von kurzer Zeit wenig Sachen mitnehmen und du musst weg.

00:46:47: Da könnte man natürlich jetzt sagen, für viele Flüchtlinge ist das überhaupt keine Überlegung.

00:46:52: Weil es alternativlos ist?

00:46:54: Ist die Situation genau?

00:46:55: Also

00:46:55: wenn ich aus einer Dürre Katastrophe aufbreche oder wenn ich bei den Krieg eingezogen bin... Dann bist du letztendlich auch vertrieben!

00:47:03: Aber trotzdem müssen wir auf dem Begriff des Heimatvertriebes sein.

00:47:07: Das war ja schon was ganz explizit anderes.

00:47:11: Als ich glaube zumindest meine Großeltern, sie wären nicht gegangen Insofern schon Entscheidungen.

00:47:17: Sie hätten sich nicht entschieden zu gehen, weil sie hatten ihre Tiere für diese Sorge tragen haben, ihre Fänder.

00:47:23: Sie hatten ihre Gemeinschaft in dem Dorf, sie hatten ihren Platz und...

00:47:28: Und das seit Generationen?

00:47:29: ...jemand gesagt hätte morgen oder in drei Stunden mit eurem Bündel, mit so und so viel Kilo werden sie nie gegangen.

00:47:39: Es gab nicht die Situation dass man Fliehen musste um sein Leben zu retten.

00:47:44: Die gab es glaube ich in diesem Dorf nicht, sondern man wurde vertrieben.

00:47:50: Es kamen Leute die gesagt haben wir laden euch jetzt in den Fuhrberg Wir laden Euch jetzt in Viehwaggons.

00:47:55: Es gibt keine Alternative

00:47:58: Weil ihr Deutsche seid und keine Ungaben

00:48:01: Und

00:48:01: das ist jetzt russisches Gebiet.

00:48:03: Die Verlierer, Kriegsverlierer.

00:48:07: Ihr seid die Kriegs-Verlierer aber ihr seid letztendlich alle Nazis

00:48:11: Und es sind, man muss sagen unsere Eltern sind vertrieben worden und sind hergekommen.

00:48:16: Es gab ja auch ganze Landstriche, ganze Regionen wo sie zu Zwangsarbeit verschleppt wurden.

00:48:22: Also eigentlich war das vielleicht noch die gute Variante.

00:48:25: Ich weiß nicht, wenn wir von gut sprechen können in dem Zusammenhang.

00:48:28: Ja also unsere Nachbarn hier.

00:48:29: Die kam aus der Tschechei aus St.

00:48:31: Anna.

00:48:32: Die wurde mit ihren Geschwistern einfach zur Zwangssarbeit geschickt.

00:48:35: Über Jahre, die besten Jahre Mit Anfang zwanzig, die waren jahrelang weg.

00:48:41: Der Bruder ist an den Folgen nachher gestorben, sie hat es ihr Leben lang nicht überwunden.

00:48:46: Also wenn man's so vergleicht mit anderen Schicksalen dann sind wir noch relativ gut weggekommen?

00:48:53: Sie

00:48:53: haben überlebt!

00:48:54: Also viele haben einfach überlebert und man konnte ihn nicht wählen.

00:48:57: insofern also mein Onkel der kam auch aus Zanik.

00:49:00: er ist aus Ungarn mit seinem Vater hier her gelaufen lange Strecken.

00:49:06: Er hat sein Leben lang gesagt nie mehr Kind sein Der kann nie mehr Kind sein.

00:49:12: Er hat es als so schlimm empfunden, der war auch noch im Kindergartenalter, ich glaube fünf oder sechs.

00:49:20: Der war so entkräftet und fast nicht angekommen.

00:49:23: Man kann das nicht bewerten.

00:49:25: Das ist schlimmer, weniger schlimm.

00:49:26: Da ging's uns ja noch gut, da war es noch Glück.

00:49:29: Ich glaub, das ist so individuell passiert.

00:49:31: Es war eine unglaubliche negative Erfahrung in allen Facetten ... dass die, die Leute bis zum Ende geprägt hat.

00:49:40: Auch wenn sie sehr wie junge Kinder waren.

00:49:42: Da wo es ist was Gutes entstanden das finde ich eigentlich ein Phänomen.

00:49:45: Also uns geht's gut.

00:49:48: ja also wir sitzen hier und es gehts gut.

00:49:50: da geht mir ähnlich wie dir Andrea den Bogen wieder zurück.

00:49:53: Ich sitze jetzt in einem Haus des Leidensgenossen von meinen Großeltern gebaut haben aber letztendlich war es die gleiche Geschichte Und das verbindet mich irgendwie sehr mit dem.

00:50:04: deswegen ist mein Interesse da so groß als wir hier einzugen sind.

00:50:07: vor Ich habe hier in der Straße noch die ganzen alten vertriebenen Frauen, wahrscheinlich auch da eine Mutter hier gesehen.

00:50:15: Jeden Samstag und Viertel vor sechs um sechs begann die Vorabennmesse liefen hier Mengen an Frauen mit Kopftuch vorbei und ich dachte das spielen meine Oma.

00:50:26: Und es war für mich so anrühren zu sehen... Das ist schade wie bei meiner Oma!

00:50:31: Die gehen jetzt auch in die Kirche.

00:50:32: Die singen die gleichen Lieder, die laufen hier vorbei.

00:50:34: Das ist noch so ein wichtiges Element für dich und ich bin hier wieder.

00:50:38: Ja?

00:50:38: Das war jeden Samstag wieder so'n Flashback-So.

00:50:42: Huch das gibt's ja noch!

00:50:44: Und dann gehst du in so einen Wert bewahren indem Du in so einem Haus bist, verbunden mit einer großen Dankbarkeit.

00:50:52: Auch was die durchgestanden haben, was deine Mutter sagt Ich muss ja dankbar sein mein... Ahnen, dass ich sie hergeschafft

00:51:00: habe.

00:51:00: Und das gehört untrennbar zu Herrn Berger Geschichte?

00:51:04: Ja!

00:51:04: Es gehört natürlich zur Geschichte vieler Städte, vieler Dörfer.

00:51:07: Aber das ist ja nur beispielhaft.

00:51:09: Das gehört unternbar hierzu Herrn Bergen und ich finde es so wichtig bewahrt zu werden.

00:51:14: die Erinnerung also bei Erinnerungen schützt natürlich auch vor immer wieder den gleichen Fehlern.

00:51:20: Was mir manchmal fehlen.

00:51:22: wenn Andrea du warst jetzt die Geschichte wo deine Eltern herkommen Weißt du das?

00:51:26: Also ich merke mir fehlt es.

00:51:27: Man weiß nur so ungefähr, meine Eltern sind deutschstämmig und sind irgendwann Ende des achtzehn Jahrhunderts, siebenundachtzig unter der Zeit von Maria Theresia umgesiedelt worden in diese Gebiete im Osten.

00:51:42: Aber ich weiß nie, wo genau sind denn jetzt wirklich meine Wurzeln?

00:51:45: Meine Mutter meinte immer im fränkischen Raum waren sie ursprünglich angesiedelt irgendwo bei Nuremberg.

00:51:50: Aber wo komme ich den Ursprünglichen her?

00:51:52: Wo ist denn meine Familie ursprünlich beheimatet?

00:51:55: Weißt du das

00:51:55: Katja?

00:51:56: Also ich weiß dass meine mutterschgeborene Zettel... die Zettels, das ist ein Bayerischer Name.

00:52:01: Also wir vermuten aus Bayern und die Seite von meiner Oma kommt glaube ich aus dem Fillingeraum.

00:52:06: Es wurde mal bisschen recherchiert, es ging ein bisschen zurück aber ich habe jetzt Kontakt aufgenommen.

00:52:10: im Donau Schwäbischen Museum in Haus der Donauschwaben heißt das sind Sindelfingen.

00:52:14: da gibt's einen Archiv und dann kann man Termine vereinbaren und da gibts auch noch Einwohnerlisten und so vielleicht kommt man da ein bisschen... Okay

00:52:21: weil das finde ich immer noch spannend!

00:52:24: Ich glaub' es braucht Recherche Heimatforschenbetreiber, also da gibt es sicherlich Unterlagen.

00:52:30: Schau die Frage ob diese ganzen Kirchenbücher wo das notiert waren überlebt haben?

00:52:34: Ob man das noch bewahren konnte oder ob man das überhaupt raus findet.

00:52:37: aber wissen Leute die hier aufgewachsen sind unter Umständen auch nicht.

00:52:41: Wurde denn bei euch zu

00:52:41: Hause Musik gemacht aus der Heimat?

00:52:45: Die

00:52:45: Schneider Oma hat bei uns oben gelebt und das ist für mich ein Heimatgefühl!

00:52:52: Sie hat immer getanzt oben auf der Küche.

00:52:55: Die Heizung war total überträht, die Küche war warm.

00:52:58: Es gab Knoblauchbrot auf der Herdplatte angeröstet, süßen Tee und Musik volle Kanne aufgedreht und sie hatte zu getanzt und so am Boden gestanzt.

00:53:08: Zu was

00:53:08: hat sie getanzt?

00:53:09: Das

00:53:10: war so Marschmusik, was ich früher viel gehört habe also nicht wirklich schön jetzt könnt ihr es

00:53:15: nicht mehr hören aber so

00:53:17: Blasenmusik und Marsch-Musik, das fand ich toll.

00:53:19: Man hat so oft dazu gesungen oder gesungen Und ich bin dann als Kind immer hoch und hab mit ihr mitgetanzt.

00:53:26: Und habe dieses Gefühl von der warmen Küche, Knoblauchbrod, süßem Tier in der Musik ... Das war vielleicht wenn ich Heimatgefühl hatte, da hatte ich es da.

00:53:35: Als die gestorben ist, da war ich fünfzehn.

00:53:37: Das war für mich ganz schlimm, weil das war schon der erste Brocken, der aus meinem Heimat-Gefühl gerissen wurde.

00:53:43: Ich war dann oft an ihrem Grab.

00:53:45: Da stand auch eine Bank davor und saß da an dem Grab und hab meine Oma gedacht Und ich weiß noch, vor zehn Jahren wurde das Grab aufgehoben.

00:53:55: Weil es schon so lang war was mir das ausgemacht hat wie traurig da war dass sie dann immer in dem Grab sitzen konnte.

00:54:02: Das war auch ein Stück Heimat.

00:54:04: Die hat immer Musik gehört meine Mutter auch Aber nicht so extrem viel Marschmusik, hauptsächlich immer.

00:54:10: Ich kann mich erinnern Sie wünschen wir spielen um elf Uhr vormittag.

00:54:14: Mein Vater hat das moderiert.

00:54:15: Tatsächlich!

00:54:16: Und

00:54:17: das war für mich die Sendung meiner Kinder als sie wünschten wir spielen?

00:54:20: Ja!

00:54:20: Das ist ja... ich

00:54:21: kann da gar nicht mehr

00:54:22: daran erinnernen.

00:54:23: Die Kinder als Sie wünschsten wir spielen und dann haben sie geschrieben einen Lieblingslied an meine Oma, meine Mutter Der schönste Platz, den ich im Leben habe.

00:54:31: Das

00:54:31: ist die Fasenbank

00:54:33: am Elterngraub.

00:54:34: Da hab' ich sofort Heimatgefühle und Kindheitsgefühl.

00:54:37: Ich erinnere mich daran, dass dieses

00:54:38: Lied gewünscht

00:54:39: wurde – vielleicht war's ja nachher deine Mutter!

00:54:41: Und mein Vater selber aus Schlesien stammt wusste nicht wie er aus diesem Gespräch wieder rauskommen sollte.

00:54:48: Dieses Lied löste bei der Anruferin so viele Gefühle aus und sie fing an ihr ganzes Leben zu erzählen.

00:54:55: Und ehrlich gesagt verstehe ich durch das Gespräch mit euch, dass jetzt noch viel ... besser.

00:55:00: Und natürlich wurden auch noch ganz viele andere Lieder gewünscht.

00:55:03: Gefangenen Korn ab und Koch, oder wie

00:55:05: die ist das am Samstag?

00:55:06: Und Yvonne Rebroch?

00:55:07: Yvone

00:55:07: Rebroche

00:55:08: Zeug... Oströne der Russik!

00:55:10: Freue Black, ganz im Weiß, das war ein so Klassiker.

00:55:13: Ja also das ist für mich auch so, dass ich mit der Musik viel gehört lautgehört und meine Oma hat dazu getanzt.

00:55:20: Bei uns war es im katholischen Kontext.

00:55:22: Es waren Kirchenlieder, es waren Marienlieder ... Da sind immer die einfach traditionell nur daheim gesungen worden.

00:55:34: Leider singt man die hier nicht mehr.

00:55:36: Daheim haben wir so schön gesungen!

00:55:40: Das ist so schlimm, wenn die alles geniessen gingen und denen, wo man das echt noch singen hat können.

00:55:46: Das Leben ist auch hinter ganz viel Melodie.

00:55:48: Und süße Sachen?

00:55:50: Zugerte Milch, dass das geschmürt also bliebe.

00:55:53: Und das war es sowas von ... Ja, immer noch.

00:55:56: Immer noch Milch in alle Variationen.

00:55:59: Süß, hauptsächlich süß!

00:56:01: Und ich glaube was für mich ganz overdiert war der Geruch bei meiner Oma in der Küche.

00:56:06: Der Geruch von

00:56:07: der Küchen, diese Brühen die da immer waren, die Suppeigel und die Mohnbeige die es da gab und diese ganz fein geschnittenen Nudeln die selber gemacht haben.

00:56:18: Die Hühnersuppen

00:56:19: und

00:56:20: Knödel genau... Das fand ich zu meiner Oma in die Küche zukommen.

00:56:26: Da wurde immer gekocht, war immer gerucht und gefühlt.

00:56:31: Die Brüssel hat noch selber gemacht.

00:56:33: Dieses

00:56:35: Gefühl, das muss ich auch sagen.

00:56:37: Das hat meine Kindheit auch gefühlt.

00:56:39: Meine Oma hat nicht bei uns gewohnt sondern ein paar Straßen weiter.

00:56:42: aber das war da hinkommen immer so ein safe place und es war immer sehr bolig Da wurde immer gewurschelt.

00:56:51: Also ich glaube dass ist auch die Generation natürlich die das bewahrt hat.

00:56:56: also Ich frage mich jetzt gerade weil aktuell haben wir so viel damit zu tun mit diesem Gefühl den fremden oder den anderen ablehnen zu müssen.

00:57:05: Es war ja nicht nur für die, die hier waren, da kommen jetzt andere und nehmen uns was weg oder was sind das für komische Vögel?

00:57:11: Sondern für die die hierher kamen.

00:57:13: wir haben diese Deutschen hier betrachtet.

00:57:16: gab es denn auch Resentiments?

00:57:18: Gab's dann eine Ablehnung?

00:57:19: Wir betrachten es immer nur der Andere kommt her ich bin da und das Fremde kommt und bedrängt mich.

00:57:27: Es muss ja eine unglaubliche Angst gewesen sein.

00:57:29: Wer erwartet mich hier?

00:57:30: Ich kenn dir auch nicht die Vögel, die Herrenberger, die erleben.

00:57:34: Das ist ja für mich aufrengend!

00:57:35: Das habe ich nie so als Thema erlebt, ehrlich gesagt.

00:57:39: Dass meine Eltern berichtet hätten... Also sie waren schon kritisch in Schwaben gegenüber.

00:57:44: Jetzt aber nicht ablehnend oder rassistisch.

00:57:49: Die waren schon anders.

00:57:50: Das haben sie schon erzählt von der Andersartigkeit der Schwaben und einmal eher die Ressentiments der Schwaben, ihnen gegenüber berichtet wie Sie das erlebt haben.

00:57:59: aber es war schon so dass sie gesagt haben diese sind irgendwie komisch weil die kochen auch anders die backen anders die sind anders kulturell waren ja schon völlig anders aufgestellt.

00:58:11: also dieses andersartige haben sich schon betont.

00:58:13: aber ich habe es nicht als rassistisch erlebt überhaupt nicht.

00:58:16: meine mutter hat nur immer erzählt dass sich die außer landwirtschaft kamen.

00:58:19: Wundert haben, dass die Bauern da die Mischthaufen vorm Haus haben.

00:58:23: Nie im Leben hätte man bei ihnen im Dorf ein Mischthaufen-Vorshaus gesetzt.

00:58:27: Das war immer hinterm Haus.

00:58:29: Man hat die Unterschiede bemerkt

00:58:31: und

00:58:31: die natürlich ein Stück weit vielleicht auch mit seinem Kontext bewertet.

00:58:35: aber man konnte sich sehr gar nicht erlauben.

00:58:37: Man war ja abhängig also das war ja eigentlich ein Runden.

00:58:40: Man hatte seine eigenen Treffpunkte, man hatte seine eigene Läden, das hat noch gut funktioniert auch in Öschelbronn damals.

00:58:47: Man hatte seine eigene Wirtschaft wo man nach dem Gottesdienst hin ist zum Frühshoppen.

00:58:51: die Männer zumindest die Frauen haben schon vorgekocht.

00:58:54: ich glaube dass man sich nicht erlauben konnte eigentlich sowas auch nur zu denken.

00:59:00: und von meine Großeltern weiß ich von meiner Mutter dass es eben gute Hausleut gab und Leute schwieriger waren.

00:59:08: also wenn wir Glück hatte kamer in eine Familie eingewiesen zwangseingewiesen die Gut war und andere hatten weniger Glück.

00:59:15: Und ich habe hier eine Frau mal in Herrenberg gesprochen, die hat gesagt, na ja als Kinder wir waren in der Grundschule da waren halt plötzlich noch viel mehr da, die haben ein bisschen anders gesprochen aber die waren halt auch Kinder, wir waren halt hier.

00:59:26: Meine Mutter hat erzählt sie wurden auch zugewiesener Familie.

00:59:30: auf jeden Fall hatten die lauter rothaarige Kinder.

00:59:34: Meine Mutter, sie sagt, Sie waren halt hübsche Kinder.

00:59:38: Und da waren die Spannungen schon vorprogrammiert.

00:59:40: Also mehr kann ich leider dazu nicht sagen aber das ging net lang gut.

00:59:46: Haben sein Haaren festgemacht!

00:59:48: Es wäre so schön wenn es so ist wie es deine Mutter gesagt hat und das Andersartige... bereichert mich in meinem Horizont.

00:59:55: Ich lerne was und bestenfalls tun wir uns gegenseitig so gut, dass sowas gescheites draus wird wie ihr Brei

01:00:01: hier.".

01:00:02: Also ich glaube das im Nachhinein viele, das habe ich jetzt schon ein paar mal gehört von den Vertriebenen sich die Haltung angeeignet haben.

01:00:09: Na Gott sei Dank sind wir kommen sonst wäre das ja hier eine...

01:00:12: Einzige Inzucht!

01:00:14: Eine gleiche homogene Gruppe blieben und es hat den gut getan.

01:00:18: Ja

01:00:18: frisches Blut.

01:00:19: Frisches

01:00:20: Blubweim und großes.

01:00:22: Also diese Durchmischung hat allen gut getan, war dann so der Kontext auf den man sich so geeinigt hat.

01:00:28: Vielleicht hat man es sich schön geredet aber einfach nachdem die ersten Beziehungen stattgefunden haben und die ersten heiraten waren, dann hat man das durchaus auch gesehen.

01:00:36: dass es nichts Bedrohliches ist

01:00:39: glaube ich.

01:00:40: Und dass es vielleicht auch positiv ist bereichert durch verschiedene Prägungen oder so.

01:00:45: Wie schön, dass Herrenberg geschafft hat genau diese Lehre zu ziehen.

01:00:49: wir tun uns gut und wir können dann jetzt das andere ganz anders umarmen oder willkommen heißen.

01:00:55: Ja weil man diese Geschichte kennen was es bedeutet?

01:00:59: Grandios wenn wir aus der Geschichte lernen könnten.

01:01:02: wie hier in den verschiedenen Podcast folgendes schon gesagt wurde hier ist alles im Balance ja oder hier ist die Welt noch in Ordnung

01:01:10: Stück weit

01:01:11: Vielleicht tatsächlich.

01:01:13: Und dann geht was von Herrenberg aus, was ich ja gerne mit den Herrenberger Herztönen auch erreichen möchte.

01:01:17: Es geht etwas aus von Herrenbergen... es geht?

01:01:20: Ja, wirklich.

01:01:22: Es ist hier wirklich so eine Insel.

01:01:24: Also ich glaube viele empfinden das so oder?

01:01:26: Ja doch!

01:01:27: Es ist immer wieder schön heimzukommen vor allem wenn man aus dem Urlaub kommt und man sieht von weitem schon die Glocke und Skolle und also da geht einem ja schon das Herz auf.

01:01:35: Die

01:01:35: Alpsi-Lautie.

01:01:36: Herrenberg macht's einem leicht sich zu beheimaten.

01:01:39: Und manchmal dauert das Beheimatung einfach eine Generation?

01:01:43: Es ist auch schön verortet, also das stimmt schon.

01:01:45: ich habe es als Kind und Jugendlicher überhaupt nicht so wertschätzen können aber ich sehe es mal wenn ich da runterfahre vor allem Spitalwald und ich gucke so auf Herrnberg die Stiftskirche uns ins Ammertal bis auf die Alb wunderschön.

01:01:58: dieser Weitblick hat man echt selten.

01:02:00: Wo der euer Blick auf die Dinge, euer Weitblick geprägt von dieser Familiengeschichte, merkt ihr das?

01:02:08: Das ist

01:02:08: dran.

01:02:09: Dass diese Erlebnisse und diese Traumata in dem Fall, diese Verlusterfahrungen schon die eigenen Werte unserer Eltern und unsere Großeltern sehr geprägt haben und sich auch in der Erziehung widerspiegelt haben und dadurch bei uns gelandet sind.

01:02:24: Manche mögen es nicht negativ wahrnehmen aber dass es da eine Prägung gibt, ist für mich unzweifelhaft.

01:02:31: Dass die Prägungen vielleicht ähnlich sein kann... weil Leute, die auch hier geboren sind oder schon immer waren, möchte ich gar nicht in Abrede stellen.

01:02:40: Weil viele Verlusterfahrungen gemacht wurden im Krieg und bei jedem ein bisschen anders.

01:02:46: Aber diese Gruppe, die da kam mit Viehwaggons und Mitfuhrwerken und die wirklich fast alles zurücklassen musste ... Das kann nicht spurlos vorübergegangen sein!

01:02:58: Du hast ja auch gerade gesagt, dass dein Vater eben nie heimatlich geworden ist.

01:03:02: Kämpfst du mit dem Begriff Heimat?

01:03:04: Das geht von großer Dankbarkeit bis zu

01:03:06: was es sei.

01:03:07: Ja, und auch dieses Motto hängt dein Herz nicht an Dinge.

01:03:10: Also gleichzeitig ganz schön saubernett loslassen oder den Schauen.

01:03:15: Ich muss das noch einmal dreimal in die Hand nehmen bevor ich's wegkauf.

01:03:18: Mein

01:03:19: Opa hat alle Nägel gerade geklopft.

01:03:22: da war die Werkstatt voll mit Draht mit allem was man noch brauchen konnte weil man hat aus nichts etwas gemacht.

01:03:28: die haben ja hier aufgebaut aus Trümmern eigentlich und aus Restmaterial, aus Altmaterial.

01:03:33: Und weil man das alles noch brauchen konnte und nicht jetzt Geld hatte zum Zahlen Sachen aufheben, weil man denkt es kann doch noch irgendwann mal brauchen wenn die Zeit schlechter wird.

01:03:43: ja also die werdet immer mal wieder schlechter.

01:03:46: das kommt vielleicht auch mal zu sagt meine Mutter heute noch Es ist noch immer so gewesen dass es auch wieder eine schlechte zeit gibt und dann werdet ihr das brauchen.

01:03:55: mich prägt es sehr dieses nicht alles wegtun, kann man nochmal.

01:03:59: Das ist doch noch was wert auch diesen Wert von Dingen noch sehen.

01:04:04: Eure Kinder?

01:04:05: Was haben die noch davon abbekommen?

01:04:07: Ich

01:04:07: habe neulich ein Serkum Podcast gehört zu dem Thema transgenerationale Weitergabe von Ängsten, Depressionen und psychischen Erkrankungen beschäftigen mich schon lange damit auch weil ich eine Psychiatrie arbeite.

01:04:19: jetzt gehe ich mal gerade von den kriegs-traumatischen Erlebnissen meines Vaters aus.

01:04:24: Wenn die nicht adäquat besprochen werden und nicht aufgearbeitet werden, gibt man sie immer weiter an der nächsten

01:04:30: Generation.".

01:04:31: Und er hat es so gut erklärt dieser Psychotherapeut.

01:04:33: Er hat von einer heißen Kartoffel gesprochen.

01:04:35: Die heiße Kartoffeln hat man in der Hand und will sie immer wieder geben als er wehtut.

01:04:39: die heiße kartoffel.

01:04:41: Der Nächste gibt's aber wieder weiter an den nächsten Generationen.

01:04:44: Man kann sie erst in der hand behalten wenn sie abkühlt.

01:04:47: Abkühlen kann sie nur ... Wenn man diese Themen offen bespricht in der Familie, wenn man das nicht macht und sie unter den Teppich kehrt bleibt die Kartoffel immer heiß und wird weitergegeben.

01:04:58: Und ich habe zumindest versucht meinen Kindern das so weiterzugeben dass sie das verstehen können und nicht vor einem dubiosen diffusen Gefühl sitzen und warten da stimmt was nicht aber es wird nicht offen drüber gesprochen.

01:05:11: Für mich ist etwas anderes auch noch wichtig nämlich zu vermitteln meinen Kindern dass wir heute Flüchtlinge Vertriebene, Kriegsflüchtlinge, Bürgerkriegsflüchtlinge hier ankommen.

01:05:24: Dass unsere Oma auch so ankam.

01:05:28: Also denkt dran dieses Vergiss nicht!

01:05:31: Denkt dran woher du kommst.

01:05:34: Sie sind nicht so lange her wenn das in zwei Generationen möglich ist wie wunderbar es schon ist.

01:05:40: Wie toll wäre das gewesen für unsere Großeltern noch zu sehen dass wir alle wieder was geschaffen haben wieder einen Platz haben wieder Heimat haben.

01:05:48: Also das finde ich schon so eine Lehre da draus, dass es Zeit braucht und gelingen kann.

01:05:55: Wie kann man Fremdheit neu beginnen?

01:05:58: Mangelverlust negativ begegnen wenn wir selber aus einer Familie stammen die das erfahren hat in den Knochen hat.

01:06:06: Ich bin einfach nur dankbar dass meine Großeltern so mutig waren und alles durchgestanden haben und ihre Kinder relativ gut durchbracht haben Und das mutige Menschen waren.

01:06:18: In diesem Dank schließe ich mich gerne an, herzlichen Dank an euch drei für eure Erinnerungen und Gedanken zu diesen so wichtigen Herrenberge-Herztönen.

01:06:30: Hören wir noch einmal Berbel.

01:06:32: auch an sie einen besonderen Dank!

01:06:40: Das dankbar sei.

01:06:42: immer hat es allen weggegeben wo ihm doch geleitet hat dass man da ankommisch wohne.

01:06:46: jetzt bin Schönen und Tiefen, Kreuzung, Quer.

01:06:55: Und daraus denke ich immer, dass der Mensch lernt auch seine Grenzen kennen.

01:06:59: Die Niederlagen, wo man wieder aufstehen muss – das

01:07:02: ist doch das Leben!

01:07:05: Alle leben von dieser alten Zeit wahrscheinlich, also von ihrer Zeit.

01:07:09: Das bleibt, ist auch immer im Eingang mit deinem weiteren Leben, das ist komisch.

01:07:13: Du lebst das weitere Leben mit und das andere jüngere Leben und alles.

01:07:17: aber was bleibt?

01:07:18: Im Endeffekt

01:07:19: hast

01:07:19: du die Zeit hinter dir, die was noch mal erzählt.

01:07:27: Ich treffe immer meine Lieben auf allen Wegen, mir ganz nah.

01:07:31: Als wären sie nicht längst geschieden.

01:07:34: in meinen Träumen sind sie alle da.

01:07:36: In stillen Nächten kehre ich wieder, dreht in die Kinderpferde

01:07:40: ein,

01:07:41: lasse mich von dieser Liebe tragen vom Elternhaus und dem

01:07:45: daheim.".

01:07:55: Sie hörten die zehnte Folge Heimat finden

01:08:01: braucht

01:08:01: Zeit gefördert im Rahmen des Bundesprogramms Demokratie Leben durch das

01:08:14: Bundesministerium

01:08:16: für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

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